Um dem diskutierten Phänomen der hohen Flop-Quote auf die Schliche zu kommen, haben wir uns ganz tief in die Zahlen gekniet. Zig Statistiken, Marktumfragen und Studien mit teilweise hunderten von Seiten ergeben ein recht imposantes Bild der deutschen Innovationslandschaft.

Unser erster Gedanke: Die prozentual große Menge an Ladenhütern könnte gewünscht sein. Es ist ja theoretisch möglich, dass die absolute Menge an Bestsellern und ausreichend umsatzbringenden Produkten reicht, um den Unternehmen trotz einer hohen Flop-Quote die Kassen zu füllen. Vereinfacht gesagt: Ein Bestseller könnte eine gewisse Anzahl an Flops subventionieren und trotzdem wirtschaftlich erfolgreich sein. Frei nach dem Motto „kein Fortschritt ohne Reibungsverlust“. Worauf sich dann allerdings die zweite Frage nach den Alternativen stellt. Doch schauen wir uns mal an, wie es überhaupt um die Innovationskraft der Industrie steht…
Der Wille zum Fortschritt ist unübersehbar. Denn die Ausgaben für Innovation steigen deutlich. Und das nicht nur absolut, sondern auch prozentual vom Umsatz. Die Unternehmen geben mehr von ihren Einnahmen für Forschung und Entwicklung (F&E) aus, als jemals zuvor. Und das, obwohl der Umsatzanteil, den man mit neuen Produkten erzielt, über die letzten 10–15 Jahre sinkt (orange Linie im Diagramm). Trotz der hohen Forschungsausgaben.

Interessant ist dazu folgende Selbsteinschätzung der Führungskräfte:
93%
der leitenden Manager sehen Innovation als den wesentlichen Faktor im zukünftigen Umsatzwachstum.
(Quelle: Globale Studie von PwC „Innovation – Deutsche Wege zum Erfolg“, 2013)
Das bedeutet, dass man nicht nur fleißig forschen und erfinden muss, sondern auch in der Lage sein muss, die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn eine hohe Flopquote ist kontraproduktiv für ein gesundes Umsatzwachstum. Wobei hier allerdings von „Umsatz-“ und nicht von wirtschaftlichem Wachstum gesprochen wurde. Aber sein wir ehrlich: Wer mehr Umsatz will, will auch mehr Ertrag. Und die Zahlen oben spiegeln den Wunsch der Unternehmenslenker aktuell leider nicht wieder.
Das zeigt sich auch, wenn wir uns die Summe an jährlichen Patentanmeldungen in Deutschland (durch deutsche Unternehmen) anschauen. Auch hier sinkt die Zahl erheblich.

Dabei lesen wir es jeden Tag in den Medien: Es ist eine Zeit, in der Patente für Technologieunternehmen nicht nur über den Wert des Unternehmens entscheiden, sondern teilweise die Existenzgrundlage darstellen. Unternehmen kämpfen mit allen juristischen Mitteln, um Wettbewerber aus dem Markt zu drängen. Prominentes Beispiel sind Apple und Samsung, die sich gegenseitig quer über den Globus mit Patentklagen überziehen. Auch der angeschlagene Handybauer Motorola wäre nie von Google gekauft worden, wenn er nicht auf einem Berg von Patenten gesessen hätte.
Aber bleiben wir bei den Zahlen: Nüchtern betrachtet fragt man sich, warum die Menge der Patentanmeldungen sinkt, obwohl immer mehr Mittel in die Forschung gesteckt werden. Wofür wird das Geld verwendet, wenn nicht für das Erfinden von neuen Dingen?
Deutschland hat eine lange Tradition als Technologie- und Fertigungsstandort. Die Fertigung können allerdings inzwischen andere Länder bei gleicher Qualität deutlich günstiger anbieten. Da müssen wir uns nichts vormachen: Unternehmen, die nur in Deutschland produzieren gehören zu einer aussterbenden Spezies. Was uns bleibt, ist die Technologie. Die Deutsche Ingenieurskunst genießt zu Recht Weltruhm. Man denke nur an den VW-Claim in den USA: „German Engeneering“. Aber wenn man sich dann anschaut, dass in einer Umfrage der Faktor „Innovation“ bei weniger als 10 % der deutschen Familienunternehmen als Wettbewerbsvorteil genannt wird, muss man sich ernsthaft Gedanken machen, wie lange der Ruhm noch glänzen wird. Auf Platz 1 der wesentlichen Wettbewerbsvorteile wird hier übrigens die Markenkraft genannt. Aber Markenkraft alleine wird nicht reichen, wenn unter der Haube der Großraumlimousine irgendwann nur noch ein Zweitakter werkelt.

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