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Schule killt Kreativität

1. Oktober 2019

Tanzen statt Mathe, Theaterspielen statt Deutsch: Würden wir unsere Kinder entscheiden lassen, welche Schulfächer sie auf ihren Stundenplänen sehen wollen, dann würden Schultage vollkommen anders aussehen als von den Kultusministerien vorgesehen.

Nun dürfen unsere Kinder nicht mitbestimmen, was sie in der Schule lernen möchten. Wo kämen wir denn da hin – denken Sie jetzt womöglich. Doch: Wir sollten auf unsere Kinder hören. Denn wenn Kreativität die Jobgarantie der Zukunft ist, müssen wir unser Bildungssystem dringend ändern.

Das Schulsystem ist veraltet

Alle öffentlichen Schulsysteme stammen aus der Zeit der Industrialisierung. Sie fördern deshalb Dinge, die für die Arbeit in einer aufstrebenden Industriegesellschaft wichtig sind. Doch die Arbeitsrealität von heute hat mit der des 19. Jahrhunderts nicht mehr viel gemein. Ebenso wenig übrigens wie mit der des 20. Jahrhunderts.

Beispiele gefällig? Vor der Jahrtausendwende galt ein Universitätsabschluss noch als Jobgarantie. Spezialisten waren gefragter als Menschen mit unkonventionellen Ideen. Und dass Computer sehr bald sehr viele Aufgaben von Fachkräften übernehmen würden, das konnte man nur ahnen.

Natürlich sind Fachkenntnisse heute gefragter denn je. Doch daneben suchen Personaler vor allem nach kreativen Köpfen. Aber die werden in der Schule nicht gefördert.

Schule und Kreativität vertragen sich nicht

Mehr noch: Dem britischen Autor und Professor Ken Robinson zufolge töten Schulen Kreativität. „Wir lernen nicht, kreativ zu werden, sondern wir verlernen es im Laufe unseres Lebens“, erklärt er in seinem TED-Talk zum Thema „Do schools kill creativity?

Und daran sei die Schule maßgeblich schuld, weil sie Fehler stigmatisiere: „Wenn Kinder etwas nicht wissen, probieren sie es aus. Sie haben keine Angst, etwas falsch zu machen.“ Diese Angst entstehe erst in der Schule. Und auch wenn „etwas falsch machen“ nicht gleichbedeutend mit Kreativität ist, so sei doch niemand in der Lage etwas wirklich Originelles zu schaffen, wenn er nicht bereit sei, Fehler zu machen.

Mathe ist wichtig, Tanzen aber auch

In seiner jetzigen Form dränge das Schulsystem zudem alle Kinder in die gleiche Richtung: Leistung in den „relevanten“ Fächern zu bringen. Auf diese Art, sagt Ken Robinson, vergeude die Schule die Talente der meisten Kinder.

Die Schulen müssten ihre Fächerhierarchie überdenken: Warum sollte Mathe wichtiger sein als Kunst? Und warum hat innerhalb der Künste die Malerei einen höheren Stellenwert als der Tanz?, fragt Robinson, und resümiert: „Mathe ist wichtig, aber Tanz auch.“

Lernen statt Auswendiglernen

Als Schüler haben Sie sich vermutlich mal gefragt, warum Sie für den Kunstunterricht beispielsweise den Geburts- und Todestag von Pablo Picasso kennen müssen und ob es nicht viel wichtiger wäre, sein Schaffen als Ganzes zu verstehen. Kinder haben nicht nur sehr unterschiedliche Talente, sie lernen auch ganz individuell. Auswendiglernen liegt nicht in ihrer Natur.

Apropos Picasso: Der Maler war es, dem man ein sehr berühmtes Zitat zum Thema zuschreibt. Demnach werden alle Menschen als Künstler geboren. Die Schwierigkeit aber sei Künstler zu bleiben – während man aufwächst.

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