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"Begreifen" Sie Ihre Ideen

14. September 2015

Der Tastsinn ist der erste Sinn, den wir noch vor der Geburt entwickeln. Danach folgen Geschmacks- und Riechsinn sowie das Hör- und als letztes das Sehvermögen. Im Alter schwinden diese Sinne in umgekehrter Reihenfolge: Erst brauchen wir eine Brille, dann ein Hörgerät und irgendwann schmecken wir unser Essen immer schlechter. [1][2] Nur der Tastsinn bleibt uns bis zum Ende treu. Je älter wir werden, um so mehr schätzen wir es, andere zu streicheln und Dinge zu berühren. Es gibt uns das Gefühl der Realität – die wir über unsere Sinne wahrnehmen.

Die Wahrheit steckt in unseren Fingerspitzen

Durch das Berühren überprüfen wir, was uns die Augen und Ohren gemeldet haben. Darum wird der Tastsinn auch „Wahrheitssinn“ genannt. Dies führt dazu, dass wir im Sprachgebrauch vom „Verhören“ oder „Versehen“ sprechen, aber nie vom „Verfühlen“. Wenn wir auf der Suche nach einer Lösung sind, „tasten wir uns voran“. Und wenn aus einer virtuellen Wahrnehmung oder einem Gedanken etwas Konkretes wird, dann sprechen wir vom „Begreifen“ – es lässt sich etwas anfassen und wird damit für uns zur Realität. Genau dieser Umstand führt auch dazu, dass alles, was hinter dem Glas von Monitoren und Displays stattfindet, für viele Menschen „nicht fassbar“ ist. So können wir uns Horrorfilme im Fernsehen oder Kunststücke im Internet ansehen ohne davon emotional nachhaltig betroffen zu sein. Die Dinge „berühren“ uns nur mäßig. Ähnliche Bilder auf der Straße vor unserem Haus beschäftigen uns deutlich intensiver und länger. Denn hier glauben wir, dass es real ist – da wir die Situation berühren könnten. Ein Trick, den sich auch viele Magier zu nutze machen: Sie lassen ihre Requisiten von Zuschauern anfassen und zeigen damit, dass diese real sind. So ist der Effekt, wenn dann aus einem Stein eine Taube wird, besonders beeindruckend.

Multisensorik stimuliert das Denken

Hirnforschungen haben gezeigt, dass die Wahrnehmung über mehrere Sinne hinweg („Multisensorik“) die Gehirnaktivität um das Zehnfache erhöht (pro zusätzlich genutztem Sinn). Je mehr Sinne eine Situation anregt, um so stärker ist der Eindruck bei uns. Und wenn wir uns beim Lernen und Denken bewegen, speichert das Gehirn Informationen wesentlich leichter.[3]

iCube für Ideenfindung und Innovation
Der WhiteBlock – multisensorische Sichtbarmachung von Ideen und Innovation

Und es gibt noch einen weiteren spannenden Aspekt: Der sogenannte Endowment-Effekt führt dazu, dass alles, was wir in Besitz nehmen, für uns an Wert gewinnt. Wenn wir etwas in die Hand nehmen, wird es in unserer Wahrnehmung wertvoller [4]. Ein Effekt, den gute Verkäufer verwenden, in dem sie uns die Ware in die Hände legen. Eine Probefahrt beim Autohändler dient aus Sicht des Händlers also dazu, dass Sie eine Bindung zum Wagen aufbauen – und weniger zum objektiven Prüfen des Bedienkomforts.

Digital reicht nicht

Die Haptik spielt in unserem Leben und in unserem Alltag eine wesentliche Rolle. Und die zunehmende Digitalisierung und Virtualisierung führt dazu, dass wir uns um so mehr nach echtem Erleben sehnen. Haben Sie beispielsweise schon mal im Museum vor einem Ölgemälde gestanden und bewundert, wie dick und kräftig die Pinselstriche sind? In einem solchen Moment möchten unsere Finger über die Farbe streichen, um diesen Eindruck zu prüfen und die Oberfläche des Gemäldes zu berühren. Dass wir das nicht dürfen, empfinden wir als Einschränkung und es schmälert unser Erleben. Denn wenn wir es dürften, würde die sensorische Erfahrung zu einer verstärkten und nachhaltigeren Wahrnehmung des Gemäldes führen.

Haptik für besseres Ideenmanagement

Für die Ideenfindung im Innovationsprozess helfen uns die geschilderten Erkenntnisse sehr:

  1. Was man berühren kann, wird eher akzeptiert. Ideen, die bereits im frühen Stadium in Form von Modellen und haptischen Präsentationsformen kommuniziert werden, haben eine deutlich größere Chance auf Unterstützung. Auch eine Idee auf einem WhiteBlock oder FlowBoard erhält mehr Zustimmung, als bei rein digitaler Kommunikation.
  2. Das haptische Erleben bei der Ideenfindung führt dazu, dass Gedanken nachhaltiger und emotional stärker im Gehirn verarbeitet werden. Hier spielen die genutzten Innovationswerkzeuge und die Arbeitsumgebung eine entscheidende Rolle. So wird ein multisensorischer Ideen- und Innovationsraum die Ideenqualität und -ausbeute deutlich erhöhen.

Wie Sie hiervon bei der Ideenfindung in Ihrem Unternehmen profitieren können, zeigen wir Ihnen im nächsten Artikel – und gerne auch im persönlichen Gespräch.


Quellen:
[1] https://wpekorr.wikispaces.com/Entwicklung+der+Sinne+des+Ungeborenen
[2] https://www.salk.at/DMS/2-20091102-161435.pdf
[3] http://www.mpg.de/8930937/vokabel-lernen-gesten
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Endowment-Effekt

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