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Manager werden – nein, danke?

21. März 2020

Stellen Sie sich einen Puppenspieler vor. Er hat verschiedene Fäden in der Hand, mit denen er, ganz nach Lust und Laune Beine, Arme und Kopf seiner Figur bewegen kann. Er weiß genau, welchen Faden er wann zu ziehen hat – und die Puppe reagiert. Dabei entscheidet er im Verlauf der Vorstellung immer wieder neu, was die Puppe als nächstes tun soll – und erhält dafür eine relativ hohe Vergütung. Klingt nach einem tollen Job, oder?

Der Job einer Führungskraft sah in den meisten Unternehmen in der Vergangenheit sehr ähnlich aus. Und viele Menschen strebten auf ihrer Karriereleiter nach einem Management-Posten. Doch dies hat sich in den letzten Jahren gewandelt: Studien zeigen, dass nur wenige heute noch Manager sein wollen. Führungsverantwortung ist unattraktiv geworden. Viele Manager sind überfordert und fühlen sich gestresst, weil Arbeit immer komplexer wird und Unternehmen sich immer stärker und immer schneller verändern. Im Rollenverständnis der meisten Mitarbeiter sind Werte wie Eigenverantwortung und Teamentscheidungen unerlässlich geworden.

Stellen Sie sich mal den Puppenspieler vor, der zwar eine Puppe bedienen soll, aber keine Fäden in der Hand hält. Das kann beängstigend sein. Da hilft nur eins: Wenn Führungsrollen wieder attraktiv werden sollen, muss auch die Rolle des Managers neu definiert werden. Wir sagen Ihnen, welche Fähigkeiten eine Führungskraft von morgen mitbringen muss.

Warum Führung immer stressiger wird

Immer weniger Arbeitnehmer streben eine Führungsposition an. Aber auch diejenigen, die bereits eine Managerrolle ausfüllen, erleben diese als schwere Aufgabe. Zu diesem Schluss kommt eine Umfrage der Unternehmensberatung Boston Consulting Group. Demnach halten 82 Prozent aller befragten Unternehmensführer ihren Job für schwerer als früher. 64 Prozent der Manager fühlen sich außerdem häufiger gestresst.

Doch wie konnte es so weit kommen? Das noch immer weit verbreitete, klassische Top-Down-Führungsprinzip ist in die Jahre gekommen. Es stammt aus der Zeit der Industrialisierung und sorgte für effektives Arbeiten und eine enorme Produktivitätssteigerung.

Die Zeiten, in denen ein Großteil der Arbeitskräfte am Fließband steht und auf Anweisungen von oben wartet, sind jedoch vorbei. Arbeitsplätze sind und werden immer individueller. Und während einfache Arbeiten der Automatisierung zum Opfer fallen, werden Flexibilität und Kreativität wichtiger.

Die Arbeitswelt von heute ist weitaus komplexer als die Arbeitswelt des 19. und des Großteils des 20. Jahrhunderts. So komplex, dass auch die besten Führungskräfte einsehen müssen, dass sie nicht mehr alle Entscheidungen selbst treffen können.

Besonders deutlich wird dies in Situationen wie der Corona-Krise: Wenn Mitarbeiter im Home-Office verstreut und nur noch greifbar sind, wenn sie an ihr Telefon gehen, in den Teamchat schauen oder den Skype-Anruf annehmen. Für die Angestellten hat das durchaus Vorteile, wie konzentriertes Arbeiten und weniger Stress. Für einen Chef, der sich als Dirigent versteht und klare Ansagen mit direkter Rückmeldung liebt, ist das ein Horrorszenario.

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Noch vor wenigen Jahren galt für Führungskräfte der Leitsatz: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Heute gilt das andersherum. Denn um den veränderten Arbeitsmarktanforderungen Herr zu werden, setzen immer mehr Unternehmen auf agiles Arbeiten und eine radikal neue Unternehmenskultur.

Die verteilt die Entscheidungsmacht auf viele Schultern und nimmt Führungskräften Verantwortung ab. Manager, die darauf nicht richtig vorbereitet sind, könnten in eine Sinnkrise stürzen: Denn welche Berechtigung hat eine Führungskraft, wenn Arbeitnehmer selbst entscheiden, an was sie arbeiten und wie sie mit Kunden kommunizieren oder auf Probleme reagieren?

Die Anforderungen an einen Manager sind heute um ein Vielfaches vielschichtiger als noch vor einigen Jahren. Ein moderner Chef ist nicht mehr die Führungskraft, die Aufgaben delegiert, Arbeit koordiniert und in letzter Instanz Entscheidungen trifft.

Stattdessen soll er Freiräume schaffen, Mitarbeiter fördern und ihnen den Rücken freihalten. Er soll anregen und inspirieren, aber nicht kontrollieren. Er muss seinen Mitarbeitern auf Augenhöhe begegnen. Die fachliche Kompetenz aber soll er an Teams abgeben. Für die meisten Manager ist das fremd.

Der Manager der Zukunft ist ein Inspirator

Doch es ist unabdingbar. Denn agile Unternehmenskultur harmoniert nicht mit klassischen Führungsmodellen. Und je mehr einfache Aufgaben wir an die Maschinen abgeben, um so komplexer wird unser Arbeitsalltag. Ohne eigenverantwortlichen Handeln geht da gar nichts mehr. Und das fordert einen modernen Führungsstil, der vielen etablierten Managern nicht behagt. So verlassen bis zu 50 Prozent aller Führungskräfte ein Unternehmen, wenn dort auf agiles Arbeiten umgestellt wird.

Es braucht in allen Unternehmen eine klare Neudefinition der Managerrolle. In der gibt der Manager zwar einen Teil seiner Verantwortung ab, bekommt aber neue dazu: Er wird zum Vorbild, er coacht statt zu entscheiden, ist nicht mehr Kontrollinstanz, sondern Inspirator. Er führt nicht durch Macht, Vorgaben und Prämien, sondern als gutes Vorbild.

Und letztendlich muss er keine Sorge haben, dass ihm als Puppenspieler die Fäden aus der Hand gleiten. Er tauscht die Puppe durch ein intelligentes Wesen, das ihm Stress und Druck abnimmt – und den täglichen Job angenehmer macht.

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