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Für NEU Innovation ist die Ruhr-Universität Bochum der Frage nach­ge­gan­gen, was die Beweggründe für Unternehmen sind, in Innovations- und Kreativbereiche zu inves­tie­ren – und in wie weit sich der Nutzen mes­sen lässt. Für die empi­ri­sche Studie haben Charlene Ewen, Kira Meierotte, Linda Klein, Hülya Öncel von der Wirtschafts-Fakultät der Ruhr-Uni Interviews mit Organisationen unter­schied­li­cher Größe und Branchen geführt.

Die Befragung fand im Frühsommer 2019 statt und die Ergebnisse wur­den in den Räumen von NEU in Düsseldorf sowie im Ratssaal des his­to­ri­schen Rathauses der Stadt Bochum vor­ge­stellt. Eine Zusammenfassung der Arbeit fin­den Sie nach­fol­gend.

Ruhr-Universität Bochum Studie zum Nutzen von Innovation Spaces Präsentation
Das Projektteam: Hülya Öncel, Linda Klein, Charlene Ewen, Kira Meierotte (v.l.)

Wissenschaftlich betreut wur­de das Projekt durch Prof. Dr. Nicola Werbeck und Dr. Anna Talmann.

Um der Frage nach dem Nutzwert nach­zu­ge­hen, wur­den sowohl Unternehmen befragt, die bereits Innovation-Spaces/Kreativräume betrei­ben, als auch Organisationen, die eine Einrichtung in Kürze pla­nen oder sich gegen eine Investition ent­schie­den haben.

Innovation Space, der (m)
Eine räum­li­che Fläche inner­halb eines Unternehmens, die aus einem oder meh­re­ren zusam­men­hän­gen­den Räumen besteht, die für Kreativ- und Ideenarbeit aus­ge­stat­tet und gestal­tet ist. Innovation Spaces sind 70 bis eini­ge hun­dert Quadratmeter groß und bestehen in der Regel aus unter­schied­li­chen Zonen: Workshopbereich(e), Experimentierbereich(e), offe­ne Arbeits- und Kommunikationsbereiche („Open Space“), Rückzugsbereiche für Konzentrations- und Regenerierungsphasen.
 
Ein Innovation Space dient pri­mär der Kollaboration und ist Teil der New-Work-Kultur. Daher wird er meist auch für Ideenprozesse und Teamevents ein­ge­setzt, die jen­seits der rei­nen Innovationsarbeit lie­gen.
 
Synonyme: Creative Space, Kreativraum, Kreativbereich, Ideenlabor, Innovation Lab, Innovationsraum

Kernfrage: Welchen Nutzen erhoffen sich Unternehmen?

Folgende Punkte wur­den (in der Reihenfolge) am häu­figs­ten als Erwartung bei der Einführung von Kreativräumen genannt:

  1. Kulturveränderung
  2. Verbesserte Kundenzufriedenheit
  3. Generieren neu­er Erlösquellen
  4. Umsatzsteigerung
  5. Optimieren von inter­nen Prozessen
  6. Image-Gewinn
  7. Förderung der Teamarbeit

Befragt wur­den hier­für Unternehmen, die bereits einen Innovation Space betrei­ben oder sich kürz­lich für die Einführung ent­schie­den haben. Wobei die­se zwi­schen 400 und 75.000 Mitarbeitern beschäf­ti­gen und zwi­schen 230 Mio. und 17 Mrd. Umsatz machen.

Was spricht dagegen?

Um her­aus­zu­fin­den, was gegen die Einführung eines Innovation Space spricht, wur­den Firmen befragt, die noch kei­ne Kreativräume haben oder sich expli­zit dage­gen aus­ge­spro­chen haben. Diese Unternehmen haben eine Größe zwi­schen 16 und 3.800 Mitarbeitern und haben fol­gen­de Hauptgründe genannt, die aus Ihrer Sicht gegen die Einführung eines Innovation Spaces spre­chen:

  1. Erwartete hohe Kosten
  2. Platzbedarf
  3. Risiko der Nichtnutzung/Ablehnung durch die Mitarbeiter
  4. Benötigte per­so­nel­le Ressourcen
  5. Fehlende Grundhaltung für agi­le Raumformate

Interessanterweise wur­den auch von den Unternehmen mit akti­vem Innovation Space die ers­ten drei Punkte als mög­li­che Verhinderungsgründe genannt, über die bei der Entscheidung dis­ku­tiert wur­de.

Das Thema ist für viele (noch) nicht auf der Agenda

Bei den Unternehmen, die kei­nen Innovation Space haben und die­sen auch nicht pla­nen, wur­de über­ra­schend oft erwähnt, dass es hier­zu noch kei­ne Diskussion auf Führungsebene gibt – und oft­mals schlicht das Wissen zu sol­chen moder­nen Raumtypen und den Einsatzmöglichkeiten fehlt. Wie bei allen Themen rund um moder­ne Arbeitswelten ist es eine Managementaufgabe, sol­che Themen auf die Agenda zu heben.

Emotionale Entscheidungsfindung – aber trotzdem kontrollierbar

Während Bauprojekte ger­ne ratio­nal auf Basis von Fakten und Bedarfsberechnungen geplant wer­den, ist dies bei der Einführung von ide­en­för­dern­den Arbeitsumgebungen anders: Bei allen befrag­ten Unternehmen, die sich für einen Innovation Space ent­schie­den haben, sind 50–75 % der Entscheidungsgründe auf der emo­tio­na­len Seite zu fin­den.

Spannend wird es bei der Frage, wie sich der ange­streb­te Nutzen nach Fertigstellung bele­gen lässt. Hier haben die Unternehmen zwar erkannt, dass sich Kreativität und Innovation schwer in Zahlen aus­drü­cken las­sen, nut­zen aber durch­aus sinn­vol­le Messmethoden für die Bewertung der Investition:

  1. Auslastungs-/Buchungsquote der Räume/Bereiche
  2. Mitarbeiterbefragungen zu gefühl­tem Nutzen und Zufriedenheit
  3. Feedback-Auswertung von Gästebüchern und Besucherstimmen

Kulturveränderung braucht mehr als ein paar Sitzsäcke

Die Arbeit der Ruhr-Universität zeigt, dass mehr als der rei­ne Innovationsgedanke hin­ter der Einführung von Kreativräumen steckt. Dies ist ver­mut­lich auch der Grund, war­um Innovation-Space-Projekte oft­mals bei den Verantwortlichen für Innovation und Digitalisierung ver­or­tet sind – sich aber meis­tens mit einer akti­ven Kulturveränderung im Unternehmen beschäf­ti­gen. Die dafür not­wen­di­ge Akzeptanz der Räume bei den Mitarbeitern bürgt ein ernst­zu­neh­men­des Risiko, das es zu kal­ku­lie­ren gilt: Wenn das Projekt unpro­fes­sio­nell oder halb­her­zig umge­setzt wird, ist das Thema „neue Arbeitsraumformen“ für lan­ge Zeit in der Belegschaft ver­brannt. Verhindern lässt sich dies, wenn man den Einfluß der Arbeitsumgebung ent­spre­chend hoch bewer­tet und sich nicht von der rei­nen Optik und schi­cken Möbeln blen­den lässt.

Sinnvoll ist hier bei­spiels­wei­se ein Blick auf die Arbeitsplatz-Wohlfühl-Pyramide nach Dr. Jacqueline Vischer, Professorin für Workplace Design in Montréal. Die drei Stufen einer nutz­ba­ren Arbeitsumgebung hel­fen zu ver­ste­hen, in wel­che Schritte inves­tiert wer­den muss:

Wohlfühlpyramide in Arbeitsräumen mit Voraussetzung für Kulturveränderung in Veränderungsprozessen

Auf Stufe 1 über der Grenze der Nutzbarkeit geht es dar­um, die Sicherheit des Arbeitsplatzes zu gewähr­leis­ten: Licht, Heizung, Brandschutz, Schreibtisch. Etwas, das an jedem Arbeitsplatz zu erwar­ten ist. Ein Return-on-Investment ist für Unternehmen ab der zwei­ten Stufe zu erzie­len. Denn auch modern ein­ge­rich­te­te Räume haben auf Stufe 1 kei­nen ver­bes­sern­den Einfluss auf das Arbeitsergebnis. Erst mit funk­tio­na­len Vorteilen (Stufe 2) – bei­spiels­wei­se pas­sen­den Meetingmöglichkeiten, mobi­len Möbeln, sti­mu­lie­ren­dem Licht oder Akustikelementen – wird erreicht, dass die Prozesse und Qualität der Arbeitsergebnisse ver­bes­sert wer­den. Stufe 3 ist unver­zicht­bar für Organisationen, die sich in Veränderungsprozessen befin­den oder eine Verbesserung der Kultur anstre­ben. Auf Stufe 3 hat das Arbeitsumfeld direk­ten Einfluss auf sozia­le Faktoren, wie die Identifikation mit dem Arbeitsplatz, Kreativität, Befreiung von Silodenken und Kollaboration. Stufe 3 ist ohne inten­si­ve Einbindung der Beschäftigten in den Entstehungsprozess nicht zu errei­chen – und bedarf mehr als rei­ner Architekturleistung.

Vielen Dank an das Projektteam der Ruhr-Universität und alle Personen, die die Studie unter­stützt haben.

Wenn Sie wei­te­re Fragen zu der Studie oder der nach­hal­ti­gen Einführung neu­er Arbeitsplatzformen haben, rufen Sie uns ger­ne an oder schrei­ben Sie uns eine Nachricht.

Ein paar bebil­der­te Beispiele von Innovation und Creative Spaces fin­den Sie hier.

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