Die deutsche Brotkultur ist berühmt. Nicht nur das, sie zählt sogar zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO. Spätestens nach ein paar Wochen ohne wissen Sie, warum das so ist. Warum wir Ihnen das erzählen? Weil das Brot ein Problem hat: Es braucht Menschen, die diese Kultur aufrechterhalten – die also das Brotbacken beherrschen und das Endergebnis unter die Leute bringen.
Für die Verbände des Bäckerhandwerks ist dieses Problem nicht neu, und auch für Branchenfremde dürfte es kaum überraschend daherkommen: Auszubildende sind schwer zu finden. Doch die Branche hat längst gehandelt. Besonders bemerkenswert: Die neuen Werbekampagnen richten sich nicht nur an den Nachwuchs vor Ort, sondern auch beispielsweise an junge Menschen in Südostasien – mit Erfolg.
Auch einige Düsseldorfer Bäckereien setzen bei der Gewinnung von Fachkräften auf internationale Zusammenarbeit. Ein Großteil der Auszubildenden des aktuellen Jahrgangs stammt aus Vietnam, und auch unter denen, die schon länger in Ausbildung sind, ist der Anteil der Vietnamesinnen und Vietnamesen hoch.
Eine Agentur vermittelt die jungen Menschen, die in Vietnam keine Chance auf eine vergleichbare handwerkliche Ausbildung hätten, nach Deutschland. Die Ausbildungsbetriebe kümmern sich um Unterkünfte und Sprachkurse, helfen beim Beantragen der erforderlichen Visa und Aufenthaltstitel.
Die globalen Partnerschaften sind langfristig angelegt, die Azubis haben nach der Ausbildung beste Chancen auf Festanstellung und damit auf die weitere Aufenthaltsgenehmigung. Die Düsseldorfer Bäckereien machen vor, wie strategisches Denken kombiniert mit dem Blick über Grenzen hinweg nachhaltige Lösungen im Kampf gegen den Fachkräftemangel ermöglicht.
In den zehn Jahren zwischen 2013 und 2023 verzeichnete der Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks einen Rückgang der Beschäftigten um knapp 50.000. Im gleichen Zeitraum sank die Anzahl der Betriebe um 4.000 auf nur noch 9.200. Zu den Gründen zählt u. a. die Aufgabe des Betriebs wegen fehlenden Nachfolgern.
Gab es 2013 noch fast 23.000 Auszubildende in den Bäckereibetrieben, waren es 2023 noch etwas weniger als 10.000, der niedrigste Wert. 2024 stiegen die Zahlen wieder, der Zentralverband verzeichnete knapp 6.400 neue Ausbildungsverträge. Quelle
Und die Auszubildendenzahlen in den Bäckereibetrieben? Steigen wieder an. Nicht nur in Düsseldorf, sondern im ganzen Land. Entgegen dem deutschlandweiten Trend, nach dem die Zahl der insgesamt abgeschlossenen Ausbildungsverträge weiter leicht rückläufig ist, stieg sie im Bäckerhandwerk im vergangenen Jahr erstmals seit zehn Jahren wieder an: um 22,5 Prozent im Bäckerei-Fachverkauf und um 11,4 Prozent bei den Bäckern und Bäckerinnen.
Ein Erfolg, den die Bäckereiverbände auf ihre Kampagnen zurückführen. Darin hatten sie Betriebe explizit dazu ermuntert, die Chancen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes zu nutzen und auch außerhalb der EU Azubis anzuwerben. Unterstützung in allen rechtlichen Fragen gab es vom Zentralverband, der außerdem Kooperationen mit der Agentur für Arbeit und der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit auf die Beine stellte.
Die Düsseldorfer Bäcker jedenfalls freuen sich nicht nur darüber, offene Stellen endlich wieder besetzen zu können. Sie heben auch über die kulturelle Bereicherung in den Teams hervor, die sich sehr positiv aufs Arbeitsklima auswirke.
Am 10. Februar 2025 veranstaltete das Aktionsnetzwerk Zukunft der Arbeit, in dem wir auch aktiv sind, in Düsseldorf ein Event zum Thema „Kreative Wege, um freie Stellen zu besetzen“. Unter anderem stellte Caroline Puppe von der Bäckerei Puppe vor, wie ihr Unternehmen von der Vietnam-Initiative profitiert und welche Herausforderungen damit verbunden sind.
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