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Tanzen statt Mathe, Theaterspielen statt Deutsch: Würden wir unse­re Kinder ent­schei­den las­sen, wel­che Schulfächer sie auf ihren Stundenplänen sehen wol­len, dann wür­den Schultage voll­kom­men anders aus­se­hen als von den Kultusministerien vor­ge­se­hen.

Nun dür­fen unse­re Kinder nicht mit­be­stim­men, was sie in der Schule ler­nen möch­ten. Wo kämen wir denn da hin – den­ken Sie jetzt womög­lich. Doch: Wir soll­ten auf unse­re Kinder hören. Denn wenn Kreativität die Jobgarantie der Zukunft ist, müs­sen wir unser Bildungssystem drin­gend ändern.

Das Schulsystem ist veraltet

Alle öffent­li­chen Schulsysteme stam­men aus der Zeit der Industrialisierung. Sie för­dern des­halb Dinge, die für die Arbeit in einer auf­stre­ben­den Industriegesellschaft wich­tig sind. Doch die Arbeitsrealität von heu­te hat mit der des 19. Jahrhunderts nicht mehr viel gemein. Ebenso wenig übri­gens wie mit der des 20. Jahrhunderts.

Beispiele gefäl­lig? Vor der Jahrtausendwende galt ein Universitätsabschluss noch als Jobgarantie. Spezialisten waren gefrag­ter als Querdenker. Und dass Computer sehr bald sehr vie­le Aufgaben von Fachkräften über­neh­men wür­den, das konn­te man nur ahnen.

Natürlich sind Fachkenntnisse heu­te gefrag­ter denn je. Doch dane­ben suchen Personaler vor allem nach krea­ti­ven Köpfen. Aber die wer­den in der Schule nicht geför­dert.

Schule und Kreativität vertragen sich nicht

Mehr noch: Dem bri­ti­schen Autor und Professor Ken Robinson zufol­ge töten Schulen Kreativität. „Wir ler­nen nicht, krea­tiv zu wer­den, son­dern wir ver­ler­nen es im Laufe unse­res Lebens“, erklärt er in sei­nem TED-Talk zum Thema „Do schools kill crea­ti­vi­ty?

Und dar­an sei die Schule maß­geb­lich schuld, weil sie Fehler stig­ma­ti­sie­re: „Wenn Kinder etwas nicht wis­sen, pro­bie­ren sie es aus. Sie haben kei­ne Angst, etwas falsch zu machen.“ Diese Angst ent­ste­he erst in der Schule. Und auch wenn „etwas falsch machen“ nicht gleich­be­deu­tend mit Kreativität ist, so sei doch nie­mand in der Lage etwas wirk­lich Originelles zu schaf­fen, wenn er nicht bereit sei, Fehler zu machen.

Mathe ist wichtig, Tanzen aber auch

In sei­ner jet­zi­gen Form drän­ge das Schulsystem zudem alle Kinder in die glei­che Richtung: Leistung in den „rele­van­ten“ Fächern zu brin­gen. Auf die­se Art, sagt Ken Robinson, ver­geu­de die Schule die Talente der meis­ten Kinder.

Die Schulen müss­ten ihre Fächerhierarchie über­den­ken: Warum soll­te Mathe wich­ti­ger sein als Kunst? Und war­um hat inner­halb der Künste die Malerei einen höhe­ren Stellenwert als der Tanz?, fragt Robinson, und resü­miert: „Mathe ist wich­tig, aber Tanz auch.“

Lernen statt Auswendiglernen

Als Schüler haben Sie sich ver­mut­lich mal gefragt, war­um Sie für den Kunstunterricht bei­spiels­wei­se den Geburts- und Todestag von Pablo Picasso ken­nen müs­sen und ob es nicht viel wich­ti­ger wäre, sein Schaffen als Ganzes zu ver­ste­hen. Kinder haben nicht nur sehr unter­schied­li­che Talente, sie ler­nen auch ganz indi­vi­du­ell. Auswendiglernen liegt nicht in ihrer Natur.

Apropos Picasso: Der Maler war es, dem man ein sehr berühm­tes Zitat zum Thema zuschreibt. Demnach wer­den alle Menschen als Künstler gebo­ren. Die Schwierigkeit aber sei Künstler zu blei­ben – wäh­rend man auf­wächst.

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