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Es war ein­mal eine Gruppe jun­ger Menschen, die mit ihrem Laptop unter dem Arm aus­zo­gen, um einer all­zu tris­ten, hams­ter­rad­ähn­li­chen Arbeitswelt zu ent­flie­hen. Nach mehr­mo­na­ti­gen Reisen klapp­ten sie besag­te Laptops in ver­schie­de­nen Cafés im bali­ne­si­schen Ubud, in Kapstadt oder in Oaxaca City, Mexiko wie­der auf.

Dort blie­ben sie – und fan­den zwi­schen Palmen und Reisplantagen, Yoga-Retreats und Matcha Lattes viel Zeit, um mit und inmit­ten von Gleichgesinnten an neu­en, digi­ta­len Geschäftsmodellen zu arbei­ten. Sie nann­ten sich Digitale Nomaden – Reisende, die orts­un­ab­hän­gig arbei­te­ten und in Mantra-Manier behaup­te­ten, dass jeder Job der Welt über­all auf der Welt erle­digt wer­den kön­ne.

Heute mal nicht auf der Baustelle arbeiten

Wenn Sie die­se Aussage anzwei­feln möch­ten, dann tun Sie das zurecht. Ganz so leicht ist es näm­lich auch nicht. Oder haben Sie viel­leicht schon mal von Bali aus ein Haus in Bochum gebaut?

Das klingt gera­de­zu absurd. Baukräne kön­nen schließ­lich (noch) nicht per Wischgeste am Smartphone gesteu­ert wer­den, und schon gar nicht aus einem ande­ren Land. Und eine Hausmauer soll­te defi­ni­tiv nicht aus Tetris-Steinen bestehen.

Aber stel­len Sie sich mal vor, Sie sind nicht der Kranführer, son­dern der Architekt. Könnte das Ihre Meinung ändern?

Ein ganzes Büro in einem Laptop

Architekten gel­ten nicht unbe­dingt als Vordenker. Zumindest, wenn es um die Gestaltung ihrer Arbeitswelt geht. Denn die besteht – kurz gesagt – noch immer aus gro­ßen Mengen unhand­li­chen Papierkrams: Behördliche Genehmigungen, groß­for­ma­ti­ge Baupläne und so wei­ter. Zudem müs­sen sie sich per­sön­lich vom Baufortschritt über­zeu­gen und alle Fäden in der Hand behal­ten. Wie soll das orts­un­ab­hän­gig funk­tio­nie­ren?

Dass es geht, beweist das Beispiel des Essener Architekten Wolfgang Sebastian Becker. Er arbei­tet mit einem klei­nen, digi­tal ver­netz­ten Team aus frei­en Mitarbeitern – Spezialisten für alle Bauphasen.

Auf sei­nem Blog Raumakrobatik beschreibt Becker, wie er sich sei­ne Arbeitswelt als orts­un­ab­hän­gi­ger Architekt ent­wor­fen hat. Statt in einem fes­ten Büro für Publikumsverkehr arbei­tet er in Co-Working-Spaces und im Home-Office. Statt auf Papier plant er mit digi­ta­len Tools. Dank web­ba­sier­ter Anwendungen kann er sein Team jeder­zeit orts- und zeit­un­ab­hän­gig in alle Planungen ein­bin­den – sogar bei Großprojekten.

Beckers gesam­te Büroausstattung ist ein Laptop. Die kann er theo­re­tisch über­all dort aus­pa­cken, wo er gera­de ist: Ob auf Bali, in Bochum oder in Essen.

Das Home-Office ist nur eine von vielen Möglichkeiten

In sei­nen Grundwerten lässt sich die­ses Beispiel zwar nicht auf alle, aber doch auf zahl­rei­che ande­re Branchen über­tra­gen. Denn auch wenn nicht alles digi­tal, orts- und zeit­un­ab­hän­gig funk­tio­nie­ren kann – im Grunde klappt viel mehr als man denkt. Das hat uns nicht zuletzt die Corona-Pandemie deut­lich gezeigt.

Gut mög­lich, dass Sie gar nicht davon träu­men, dau­er­haft zu rei­sen und dabei in den schöns­ten Hipstercafés von Bali bis Mexiko zu arbei­ten. Aber: Auch Nicht-Nomaden könn­ten hin und wie­der den Wunsch ver­spü­ren, ortsunabhängig(er) zu arbei­ten. Mal bedeu­tet das viel­leicht nur eine klei­ne Abwechslung vom Arbeitsalltag, um der Kreativität auf die Sprünge zu hel­fen. Mal eine kur­ze Zeitersparnis. Und ein ander­mal viel­leicht sogar das Ende einer Fernbeziehung.

Arbeitgeber täten des­halb gut dar­an, bei der Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen nicht nur fle­xi­ble Arbeitszeiten und Home-Office zu berück­sich­ti­gen, son­dern noch wei­ter zu den­ken: Wie wäre es bei­spiels­wei­se mit fir­men­ei­ge­nen Co-Working-Spaces an geeig­ne­ten Orten? Oder mit einer für Mitarbeiter kos­ten­lo­sen Nutzung frem­der Workshopräume oder Co-Working-Spaces?

Nicht nur, weil die Möglichkeit zum fle­xi­blen Arbeiten Zufriedenheit und Innovationsgeist in der Belegschaft enorm stär­ken kann, soll­ten Sie sol­che Modelle in Betracht zie­hen. Die Möglichkeit zum orts­un­ab­hän­gi­gen Arbeiten erwei­tert auch den Kreis poten­zi­el­ler Kandidaten für eine Stelle um ein Vielfaches.

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