In Düsseldorf werden ehemalige Obdachlose zu Küchenprofis ausgebildet. Acht Männern und Frauen, die an dem Pilotprojekt teilnehmen, bietet das die Chance, (wieder) auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Reine Wohltätigkeit ist das nicht – es ist auch ein innovativer Ansatz für die Personalgewinnung der Zukunft.
Mit sicheren Wohnverhältnissen und gezielter Unterstützung werden die früher Wohnungslosen erfolgreich in die Gastronomie integriert und als wertvolle Fachkräfte gewonnen.
Das Projekt „Housing first trifft Gastro“, das die Metro AG, das Straßenmagazin fiftyfifty und der Düsseldorfer Verein Housing first gemeinsam auf die Beine gestellt haben, zeigt deutlich: Unternehmen sollten sich bei der Suche nach Auszubildenden nicht nur auf herkömmliche Wege verlassen.
Auf Ausbildungsmessen treffen sie schließlich nur einen Bruchteil der potenziellen Kandidaten. Sie müssen auch dort suchen, wo sie die Fachkräfte der Zukunft nicht – oder vielleicht sogar am wenigsten – vermuten.
Allein in Düsseldorf waren im März vergangenen Jahres laut einer Zählung der Wohnungslosenhilfe 700 Menschen obdachlos. Bundesweit hatte etwa einer von 200 Deutschen keine Wohnung. Aus den Erhebungen des statistischen Bundesamts geht außerdem hervor: Rund 440.000 Wohnungslose waren oder wurden 2024 in verschiedenen Einrichtungen untergebracht, 40 Prozent davon jünger als 25, bei gut 50 Prozent handelte es sich um Familien mit Kindern.
Von der Straße in die Küche – die zukünftigen Küchenhilfen aus dem Projekt „Housing first trifft Gastro“ fallen sicher nicht in ein Schema F. Doch sie lernen mit Erfolg – und in der Küche sind sie nach wenigen Wochen der Ausbildung von anderen Mitarbeitenden nicht mehr zu unterscheiden.
Auf dem Stundenplan stehen unter anderem Lebensmittelkunde, Hygiene, die Zubereitung von Speisen und auch die Ausgabe an Kunden. Angeleitet von ausgebildeten Köchinnen und Köchen führt die ungewöhnliche Ausbildung über die Testküche der Metro in die Kantine des Unternehmens, wo die Auszubildenden sich erstmals unter den realen Bedingungen der Gastronomie behaupten müssen.
Nach dem erfolgreich absolvierten Training werden die Teilnehmenden an Restaurants in der Stadt vermittelt. Dank der umfangreichen Ausbildung bei der Metro sollen die neuen Praktikanten dort nicht als Spülhilfen eingesetzt werden, sondern in verantwortungsvolleren Jobs mit Entwicklungspotenzial. Das stärkt Motivation und Selbstvertrauen.
Klappt das, sind die Chancen auf eine Festanstellung gut – denn die Düsseldorfer Gastronomiebetriebe suchen händeringend nach gutem Personal und der Verein Housing first hofft bereits auf die Weiterführung des Projekts – und, dass es auch deutschlandweit Nachahmer findet. Wir drücken die Daumen!
+++
Am 10.2.25 stellten u.a. Dennis Nicolay vom Housing First e.V., Oliver Ongaro von fiftyfifty und Martin Behle von der Metro AG das Projekt auf einem Event des Aktionsnetzwerks „ZukunftsMacher | Zukunft der Arbeit“ in Düsseldorf vor.
Unser kostenfreier Newsletter mit Tipps, Events und Artikeln rund um New Work, Ideenkultur und Innovation erscheint 1x pro Monat. Sie können Ihn jederzeit wieder mit einem Klick abbestellen.

1. Oktober 2025
Ein Meetingraum, neun Kollegen aus verschiedenen Abteilungen sitzen sich im Halbkreis gegenüber. Heute geht es um einige Änderungen an einem wichtigen Pitch. Die Diskussion ist hitzig – und, ihr kennt das: Ihr habt Euch im Kreis gedreht, mehrere Abschweifungen genommen, seid euch gegenseitig... mehr lesen

24. Februar 2026
Michelle hat die Grippe. Christian ist zum zweiten Mal in diesem Jahr mehrere Wochen krankgeschrieben. Und Juana schleppt sich mal wieder mit Schnupfen, Husten und schlechtem Gewissen ins Büro, weil das Team sonst komplett untergeht. Kommt euch bekannt vor? Na dann, willkommen im Winteralltag... mehr lesen

10. April 2026
Wir verbringen den größten Teil unseres Lebens in Räumen. In Büros, Meetingzonen, Homeoffices. Orte, die oft gut funktionieren – aber sich nur selten wirklich gut anfühlen. Und wir alle kennen dieses Gefühl: Ein weiter Blick. Frische Luft. Natürliches Licht auf der Haut. Materialien, die... mehr lesen

16. Oktober 2025
Eigentlich war die Frage simpel. Doch die Mail, in der sie steht, liegt seit zwölf Tagen im Posteingang, gelesen, mit roter Fahne markiert. Du hättest sie kurz und knapp beantworten können, wenigstens sagen, dass du dich in ein paar Tagen meldest oder nicht helfen kannst. Du öffnest den Anhang... mehr lesen