Noch nie war Arbeiten so digital wie heute. Statt direkt miteinander zu sprechen, tippen wir Nachrichten. Protokolle und Meetingnotizen sammeln wir selbstverständlich direkt in digital geteilten Dokumenten. Selbst in Grundschulen werden Aufgaben schon auf Tablets bearbeitet.
Zählt doch mal: Gibt es auf euren Büroschreibtischen mehr Stifte oder mehr elektronische Geräte? Und wann habt ihr eigentlich das letzte Mal in einem Meeting händisch mitgeschrieben?
Das kann sich komisch anfühlen, vielleicht sogar nostalgisch. Aber es wird mal wieder Zeit, denn das Schreiben mit Stift auf Papier ist die beste Strategie, Wichtiges nicht nur zu dokumentieren, sondern auch direkt zu verarbeiten.
Wenn wir mit der Hand schreiben, statt zu tippen, ist das Gehirn aktiver. Vor allem die Netzwerke, die mit erhöhter Aufmerksamkeit und der Verarbeitung neuer Information in Verbindung stehen, werden stärker stimuliert.
Das ist zum Teil mit der komplexeren Bewegung erklärbar: Handschrift setzt gleichzeitig motorische, sensorische und sprachliche Leistung voraus, das Tippen hauptsächlich motorische.
Forschende vermuten allerdings auch einen gesteigerten Lerneffekt, vor allem bei komplexen Themen. Denn wer mit der Hand schreibt, verarbeitet gleichzeitig die Informationen. Während Inhalte mit der Tastatur leicht wortwörtlich übernommen werden können, verlangt die wesentlich langsamere Handschrift eine Vorauswahl.
Wir filtern die wichtigsten Informationen beim Schreiben bereits, verdichten Gedanken zu Stichworten, stellen Zusammenhänge heraus, verbinden Fragmente und formulieren Inhalte in unseren eigenen Worten.
Besonders kurios: Schreibschrift aktiviert andere Gehirnregionen als Druckbuchstaben. Die flüssige Bewegung scheint zugleich die Kreativität zu erhöhen.
Um herauszufinden, wie sehr sich Handschrift auf die Denkleistung auswirkt, ließen norwegische Forscher eine Gruppe von Studenten verschiedene Wörter sowohl tippen als auch handschriftlich aufschreiben. Sie maßen dabei jeweils die Gehirnaktivität mittels EEG und fanden eine deutlich erhöhte Konnektivität zwischen bestimmten Bereichen. Die Studie legt auch einen erhöhten Lerneffekt nahe, weist ihn aber nicht eindeutig nach.
Was bedeutet das für unsere Arbeitsumgebungen? Raus mit den Laptops und Tablets? Tippverbot in der Besprechung? Protokolle nur noch auf Papier?
Keine Sorge. Unsere digitalen Alltagshelfer dürfen uns weiterhin gerne begleiten. Aber zu Stift und Papier dürfen wir dennoch wieder häufiger greifen. Vor allem dann, wenn es nicht um einen schnellen Austausch von Wissen oder eine lückenlose Dokumentation von Informationen geht, sondern um kreatives und konzentriertes Arbeiten.
Strategie- und Ideenworkshops, Teammeetings oder Brainstorming-Runden brauchen keine ausführlichen Protokolle. Und wer Ideen greifbar machen will, muss zum Stift greifen, kritzeln, malen, notieren, durchstreichen und von vorne anfangen können.
Macht es euren Mitarbeitenden deshalb bitte so leicht wie möglich, Dinge zu notieren – notfalls auch auf der Toilette. Fragt euch vor jedem Meeting, in jeder Arbeitssituation: Welches Werkzeug unterstützt welche Art des Denkens? Bietet sie alle an.
Ein gutes Protokoll kann mit einem blinkenden Cursor beginnen, eine gute Idee nimmt ihren Anfang aber viel öfter auf Papier.
Beschreibbare Flächen, wie bspw. Whiteboard-Wände oder Tafelwände laden dazu ein, auch im Gruppen-Brainstorming mit der Hand zu schreiben – statt mit dem Laptop. Darum verbauen wir fast in allen Projekten auch abseits von Creative Spaces mal die ein oder andere Ideen-Wand in Teeküchen und auf Fluren. Ein Beispiel: Die Ideenwand im Innovation Lab von Zentis.
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