Stellen Sie sich mal vor, Sie müssten für 30 Minuten auf eine Bühne gehen, um einen Saal voller Menschen zu unterhalten (ohne vorab einstudiertes Programm). Das wäre, auch für routiniertere Witzeerzähler und extrovertiertere Persönlichkeiten unter Ihnen vermutlich recht schwer. Zum Alleinunterhalter sind die wenigsten geboren.
Würden wir Sie gemeinsam mit einer Improvisations-Theatergruppe auf die Bühne schicken, sähe die Sache wohl schon anders aus. Das liegt nicht (nur) an der eingespielten Truppe, mit der Sie dann spielen würden, sondern schlicht daran: Kreativsein und -werden ist im Team viel leichter.
Das gilt nicht nur bei Bühnenshows, sondern auch im Büro. Warum das so ist, wie ein kreatives Team funktioniert und wie man das perfekte Kreativteam aufstellt, erklären wir Ihnen in diesem Artikel.
Wenn wir von kreativem Potenzial sprechen, meinen wir meist individuelle Kreativität – also die Fähigkeit des Individuums, unkonventionell zu denken. Kein Wunder. In unserem kollektiven Bewusstsein ist der Mythos vom einsamen Genie, das dank Geistesblitz Bahnbrechendes erfindet, schließlich tief verankert.
Tatsächlich aber sind und waren die größten Erfindungen – ob nun Motorflugzeug, E-Mail oder Mountainbike – stets das Resultat eines längerfristigen Prozesses, an dem weit mehr Menschen beteiligt waren als die später dafür gepriesenen.
Die tatsächlich hinter diesen Erfindungen steckenden, langen Prozesse beschreibt der Kreativitätsforscher Keith Sawyer, der als Professor für Bildungsinnovationen an der US-amerikanischen University of North Carolina lehrt, in seinem Buch „Group Genius: The Creative Power of Collaboration“. Er sagt: Kreativität ist immer kollektiv.
Soll heißen: Selbst, wenn Sie unter der Dusche eine brillante Idee haben, ist das nicht allein Ihr Verdienst, sondern zu einem Großteil das des kreativen Potenzials in Ihrem Umfeld. Der Geistesblitz trifft nicht aus heiterem Himmel, sondern ist das Resultat einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit anderen – im kreativen Team.
Für Unternehmen ist diese Erkenntnis in mehrfacher Hinsicht relevant. Zum einen kommt es bei der Personalauswahl weniger auf die individuelle Kreativität an als vielmehr auf persönliche Erfahrungen und Talente, die die Belegschaft bereichern.
Zum anderen, hat diese Erkenntnis für die Zusammensetzung von Teams eine enorme Bedeutung. Zu viele Köche verderben bekanntermaßen den Brei – wenn Sie also einen neuen entwickeln möchten, reicht einer. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass der alleine daran arbeiten sollte.
Gute kreative Teams sind in punkto Fachwissen, Interessen und Talente sehr breit aufgestellt. Die Diversität unterstützt den Kreativprozess, weil jedes einzelne Teammitglied die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann.
Wenn Sie also nur Köche an den Brei lassen, bekommen sie auch nur einen (im besten Fall leckeren) Brei. Wenn Sie darüber hinaus Ökotrophologen, Lebensmittelchemikerinnen und Marketingexpertinnen dazu holen, bekommen Sie einen Verkaufsschlager (hoffen wir doch).
Der Koch muss dabei akzeptieren können, dass ein anderes Teammitglied es unter Umständen besser weiß oder kann. Auch das ist ein nicht unerheblicher Anteil am Erfolgsrezept von guten kreativen Teams: Ihre Mitglieder stehen sich nicht aufgrund persönlicher Eitelkeiten gegenseitig im Weg sondern können akzeptieren, dass es manchmal besser ist, Aufgaben abzugeben.
Das größte Potenzial kreativer Teams liegt allerdings darin, dass sie in der Lage sind, Ideen weiterzudenken und neue Inspiration aus den Ideen anderer zu ziehen. Als Apple das iPhone auf den Markt brachte, gab es schon längst Smartphones.
Dennoch war das iPhone keinesfalls eine Kopie des Blackberrys. Es war die (im Nachhinein) logische Weiterentwicklung einer revolutionären Idee.
Manchmal tauchen in diesem Prozess gegenseitiger Inspiration sogar weitere Probleme auf. Falls ja: Bestens! Denn das ist die ideale Grundlage für bahnbrechende Neuerungen. Die E-Mail etwa wäre nie erfunden worden, wenn Ray Tomlinson und sein Team sich strikt an ihre Anweisung gehalten hätten, ein System zur Datenübertragung für das amerikanische Verteidigungsministerium zu entwickeln.
Diversität und geballte Fachkompetenz sind die Grundsteine guter kreativer Teams. Damit (evtl. wild) zusammengewürfelte Gruppen letzten Endes auch gemeinsam kreativ werden können, müssen sie freilich erst einmal zueinander finden.
Ähnlich wie die Mitglieder einer Improvisations-Theatergruppe müssen sie darauf vertrauen können, dass alle denselben roten Faden verfolgen, sich zuhören, und eingreifen, wenn einer mal nicht mehr weiterweiß. Dafür braucht es nicht zuletzt gutes Teambuilding. Wie das funktioniert, lesen Sie hier: Spielerisch eingespielt. Die besten Spiele fürs Teambuilding
Gemeinsam ein Improvisationstheater auf die Beine zu stellen, wäre übrigens auch eine ziemlich gute Idee fürs Teambuilding…
Buchtipp:
Keith Sawyer: Group Genius: The Creative Power of Collaboration
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