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Innerlich gekündigt, äußerlich loyal

15. September 2025

Wann habt ihr zuletzt darüber nachgedacht, einfach alles hinzuwerfen und zu kündigen? Die meisten von uns haben diese Gedanken im Laufe ihrer Karriere immer mal wieder, manche sogar ständig.

Andere haben schon längst innerlich gekündigt, verharren aber jahrelang in einem Job, den sie maximal noch nach Vorschrift erledigen. Warum aber bleiben so viele, obwohl sie gehen wollen oder mindestens mit dem Gedanken spielen?

Verlustangst, mentale Entscheidungsbarrieren und soziale Bindungen spielen eine größere Rolle, als vielen bewusst ist. Wir zeigen euch, was Unternehmen daraus lernen können – und wie ihr innere Kündigungen früh erkennt.

Warum Mitarbeiter gehen wollen …

Die Beweggründe für den Wunsch nach einem Jobwechsel sind vielfältig. Meist stehen fehlende Entwicklungsmöglichkeiten, mangelnde Wertschätzung oder ein schlechtes Arbeitsklima im Vordergrund. Auch Überlastung, fehlende Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben oder eine als sinnlos empfundene Tätigkeit können dazu führen, dass Mitarbeitende innerlich auf Distanz gehen.

Der Wunsch nach mehr Gehalt oder besseren Rahmenbedingungen spielt ebenfalls eine Rolle, ist aber selten der einzige Grund.

… und warum sie trotzdem bleiben

Trotz aller Unzufriedenheit bleiben viele ihren Arbeitgebern treu. Dahinter steckt mehr als Bequemlichkeit:

  • Die Angst vor finanziellen Verlusten durch vorübergehende Arbeitslosigkeit oder perspektivisch weniger Gehalt in einem neuen Job
  • Unsicherheit in Bezug auf neue Kolleginnen und Kollegen
  • Die Sorge, eine falsche Entscheidung zu treffen
  • Soziale Bindungen: Ein eingespieltes Team, geschätzte Kolleginnen oder gar Freundschaften am Arbeitsplatz wiegen oft schwerer als abstrakte Karriereziele
  • Gewohnheit

Deutsche wechseln ihren Arbeitgeber weitaus seltener als Beschäftigte anderswo auf der Welt – im Durchschnitt nur etwa alle elf Jahre. Zum Vergleich: In Großbritannien sind es fünf bis sechs Jahre, in den USA sogar nur vier bis fünf.

Ein Grund: Je länger man einem Betrieb treu bleibt, desto mehr Vorteile können winken – vom starken Kündigungsschutz über eine betriebliche Altersvorsorge bis hin zum Urlaubsanspruch. Diese Absicherungen sind in anderen Ländern deutlich schwächer ausgeprägt.

So erkennen Unternehmen innere Kündigungen

Eine innere Kündigung ist selten plötzlich da – sie entwickelt sich schleichend. Für Führungskräfte ist es daher entscheidend, feine Signale wahrzunehmen. Nachlassendes Engagement, häufige Distanz in Meetings oder ein Rückgang in der Beteiligung an Projekten können Hinweise sein.

Regelmäßige Mitarbeitergespräche, offene Feedbackkultur und die ehrliche Frage nach der Zufriedenheit helfen, Probleme sichtbar zu machen. Gleichzeitig sollten Unternehmen Strukturen schaffen, in denen Mitarbeitende ihre Entwicklung mitgestalten können und sich gesehen und wertgeschätzt fühlen.

Innere Kündigung in Zahlen

Der Gallup Engagement Index misst seit 2001 die emotionale Bindung von Angestellten zu ihren Arbeitgebern sowie den Zusammenhang dieser Bindung mit Engagement und Motivation.

2024 gaben nur neun Prozent der Befragten an, eine enge emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber zu haben – erstmals weniger als zehn Prozent. Der Anteil der innerlich Gekündigten lag bei 13 Prozent und damit wieder etwas niedriger als in den Jahren zuvor. Jeder achte Mitarbeitende hat demnach innerlich bereits gekündigt. Allerdings gaben von diesen Befragten nur 63 Prozent an, auch nach einer neuen Stelle zu suchen.

Loyalität ist nicht selbstverständlich

Dass viele Beschäftigte trotz Unzufriedenheit bleiben, ist kein Grund, sich entspannt zurückzulehnen. Im Gegenteil: Innere Kündigungen sind ein Warnsignal und führen langfristig zu sinkender Produktivität und Motivation bei den Mitarbeitenden und, wenn es blöd läuft, zu einem Imageverlust – Werbung für die eigene Firma machen schließlich nur Menschen, die von ihrer Arbeit überzeugt sind.

Arbeitgeber sollten Loyalität daher nicht als gegeben hinnehmen, sondern aktiv daran arbeiten, ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen bleiben wollen. Dazu gehören Entwicklungsperspektiven, eine Kultur der Anerkennung und echte Möglichkeiten zur Mitbestimmung.

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