Wenn wir im Job Probleme lösen müssen, entwickeln wir oft richtig gute, kreative und vor allem innovative Lösungen. In diesem Prozess eignen wir uns viel Wissen an – Wissen, das auch auf andere Probleme angewendet werden oder Kollegen mit ähnlichen Problemen helfen kann.
Wir teilen dieses Wissen allerdings selten. Und vergeben damit eine große Chance: Denn eine effektive Wissensweitergabe stärkt die Zusammenarbeit und die Lernkultur im Unternehmen.
Auch für das oben beschriebene Problem gibt es, wie könnte es anders sein, bereits eine ziemlich gute Lösung. Sie nennt sich Working Out Loud. Was es mit der Methode auf sich hat und wie Sie sie in Ihrem Unternehmen etablieren, erklären wir Ihnen in diesem Artikel.
Statt ihr Wissen zu horten, teilen Mitarbeiter es beim Working out Loud, oder kurz WOL, mit ihren Kollegen. Sie müssen bereit sein, großzügig ihr Wissen mit anderen zu teilen und die eigene Arbeit transparent zu gestalten. Das schließt die Bereitschaft mit ein, andere auch an Fehlern teilhaben zu lassen und sich kritikfähig und reflektiert zu verhalten.
Zudem brauchen Mitarbeitende Wege, über die sie ihr Wissen teilen können. Dafür bilden sie beim WOL in der Regel Kleingruppen von drei bis vier Personen, sogenannte Circles, die sich jeweils über einen Zeitraum von 8 bis 12 Wochen wöchentlich für eine Stunde zum Austausch treffen.
Bei diesen Treffen teilen sie Herausforderungen, Meilensteine, aber auch Rückschläge und arbeiten gemeinsam an Lösungen für Probleme, die im Arbeitsalltag auftauchen. Je mehr Circles es gibt, desto dichter wird das Gesamtnetzwerk des Lernens im Unternehmen.
Der Begriff Working Out Loud geht zurück auf Bryce Williams, der die Idee 2010 in einem Blogartikel erstmals formulierte. Im Kern ging es dem IT-Spezialisten um eine Veränderung der Arbeitsweise hin zu mehr Kollaboration und Austausch mittels digitaler und sozialer Netzwerke. Von der Wissensarbeit des einen sollte jemand anderes profitieren können. John Stepper entwickelte die Idee in seinem 2015 erschienenen Buch „Working Out Loud: For A Better Career And Life“ schließlich zur Methode. Sie fußt auf fünf Grundprinzipien: Beziehungen, Großzügigkeit, Sichtbare Arbeit, Zielgerichtetes Verhalten und Wachstumsorientiertes Denken.
Bringt Working Out Loud also einfach weitere Informationen, die sich in die Flut des alltäglichen Informationswahnsinns mischen? Ja und nein. Denn die Intention hinter WOL ist der konstruktive, sehr zielgerichtete Austausch von Informationen. Auch aus diesem Grund sind WOL-Meetings auf ein kleines Team beschränkt.
Ihre Ziele legen die Circles vorab selbst fest. Es kann beispielsweise einfach darum gehen, Einblick in die Arbeit einer anderen Abteilung zu bekommen, um Silobildung vorzubeugen. Oder Sie treffen sich mit Mitarbeitern in ähnlichen Positionen oder Projekten, um sich gegenseitig mit Wissen voranzubringen. Es soll allerdings nicht darum gehen, an konkreten Projekten zu arbeiten.
Drei Leitfragen bilden dann die Grundlage des Treffens: Was beschäftigt mich aktuell in Bezug auf mein Ziel? Welche Personen könnten mich in meinem Vorhaben unterstützen? Was kann ich meinem Circle geben?
Durch den zielgerichteten, professionellen und konstruktiven Wissensaustausch sammeln Mitarbeiter beim Working Out Loud nicht nur wertvolles neues Wissen, sondern auch Selbstwertgefühl und die Fähigkeit zu konstruktivem Feedback und guter Problemkommunikation.
Die persönlichen Beziehungen, die dank WOL entstehen, sind für Unternehmen besonders relevant: Denn sie schärfen den Blick für die Prozesse und Belange anderer Arbeitsbereiche und ermöglichen damit eine agilere Zusammenarbeit. Nicht zuletzt stärken sie zudem die Identifikation mit dem Unternehmen und wirken sich positiv aufs Betriebsklima aus.
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