Natürlich geht es mir gut! Klar, klingt spannend! Nein, stört mich überhaupt nicht, wenn du deinen Döner im Büro isst. Wenn wir solche Dinge sagen oder hören, sind es in vielen Fällen Lügen. Aus Höflichkeit, Selbstschutz oder aus Bequemlichkeit – kleine Unwahrheiten gehören zu unserem Berufsalltag wie ungelesene E-Mails.
Doch wo endet harmlose Diplomatie und wo beginnt schädliche Verzerrung? Wir werfen einen ehrlichen Blick auf gute und schlechte Lügen, ihre psychologischen Wurzeln und die Frage: Wie viel Wahrheit verträgt die Zusammenarbeit?
Wir wünschen uns Ehrlichkeit von anderen, lügen selbst aber schon, wenn wir floskelhaft die Frage nach unserem Wohlbefinden beantworten. Nicht, weil wir schlechte Menschen wären, sondern weil unser Gehirn darauf programmiert ist, soziale Spannungen zu reduzieren und gesellschaftliche Erwartungen zu erfüllen.
Wir flunkern, um Beziehungen zu schützen, peinliche Situationen zu entschärfen oder uns Vorteile zu verschaffen. Ob es die vielzitierten, aber schwer wissenschaftlich belegbaren 200 Lügen am Tag sind, sei mal dahingestellt. Sicher ist: Wir lügen öfter als wir glauben, denn viele dieser Lügen entstehen spontan und unbewusst. Doch auch vermeintlich harmlose Notlügen können Schaden anrichten.
Im Arbeitsalltag begegnen uns unterschiedliche Arten von Unwahrheiten.
Die harmlose Notlüge: „Ich schaffe das heute noch“, obwohl längst absehbar ist, dass es nichts mehr wird: Sie soll die eigene Arbeit in besseres Licht rücken. Problem: Sie wird am nächsten Tag mit großer Wahrscheinlichkeit eine weitere Lüge nach sich ziehen.
Die Selbstschutz-Lüge: „Ich bin dran“ – auch wenn man sich gerade mit etwas ganz anderem beschäftigt. Sie schützt das eigene Image, kann aber Vertrauen beschädigen.
Die konfliktvermeidende Lüge: Wenn wir im Meeting freundlich nicken, obwohl die Idee offensichtlich unsinnig ist. Aus Angst, jemanden zu kränken, sprechen wir Probleme nicht an und riskieren damit sogar eine ernsthafte Spaltung des Teams.
Die problematische Tatsachenverdrehung: „Der Kunde ist sicher dabei“ – obwohl er abgesagt hat. Hier verschwimmen Fakten, und Teams arbeiten auf falschen Annahmen. Das ist nicht höflich, sondern gefährlich.
Wie ehrlich sind wir eigentlich im Job? Die aktuellsten belegbaren Zahlen stammen aus einer repräsentativen Umfrage der Plattform YouGov von 2020, bei der 1.066 Berufstätige befragt wurden. Die Ergebnisse:
45% der Berufstätigen lügen gelegentlich im Job.
22% verstellen sich regelmäßig am Arbeitsplatz.
28% nutzen kleine Notlügen häufig.
6–8% greifen zu großen Lügen.
27% lügen, um Fehler zu verbergen.
21% lügen aus Angst vor nicht akzeptierten Meinungen.
Harmonie ist wichtig. Aber Konflikte und Diskussionen auch. Ehrlichkeit schafft Klarheit, verhindert Missverständnisse und spart viel Zeit. Wer offen sagt, dass eine Idee nicht trägt oder darauf hinweist, dass jemand im Meeting abschweift, macht zielstrebigeres Arbeiten möglich. Unausgesprochene Kritik hingegen frisst Energie und fördert Grüppchenbildung.
Radikale Ehrlichkeit erfordert eine Unternehmenskultur, die Fehler zulässt und Menschen in den Mittelpunkt stellt. Und sie erfordert Mut. Etwa den Mut, zu sagen, wenn es einem nicht gut geht. Den Mut, andere zu irritieren. Und auszuhalten, dass jemand sich gegen Kritik wehrt.
Nicht jede Lüge führt dazu, dass Vertrauen schwindet. Sparsam eingesetzte Notlügen können sogar dafür sorgen, das Miteinander zu verbessern. Sie können Beziehungen puffern, kurzfristig entlasten und die Stimmung retten.
Doch langfristig ist Ehrlichkeit der bessere Weg: Sie schafft Vertrauen und Nähe, baut Stress ab und macht Teams produktiver. Diplomatie ist erlaubt – aber nicht auf Kosten der Wahrheit.
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