Stress ist in vielen Betrieben zum Dauerzustand geworden. Kein Wunder, schließlich müssen Unternehmen permanent auf neue Krisen reagieren. Doch Krisen sind selten die eigentliche Ursache für Stress am Arbeitsplatz. Er entsteht eher durch das, was auf die Krise folgt – oder vielmehr nicht folgt: eine Reaktion, die Orientierung bietet, klare Ziele vorgibt und entlastet.
In herausfordernden Zeiten ist Orientierung unerlässlich. Sie sorgt für stabile Prozesse, entlastet Führungskräfte und macht Organisationen widerstandsfähiger.
Politische Vorgaben, wirtschaftliche Unsicherheit, interne Veränderungen: Krisen können zu Stresskatalysatoren werden. Das eigentliche Problem ist aber nicht die Veränderung, sondern die Frage, wie sie aufgenommen wird.
Wirken Führungskräfte unsicher, greift dieses Gefühl schnell auf alle Mitarbeitenden über. Wenn unklar ist, wer was entscheidet, welche Ziele gerade wichtig sind oder wie Prioritäten gesetzt werden, entsteht Chaos, und Chaos verursacht bei den meisten Menschen Stress.
Reagieren Führungskräfte gelassen, weil sie genau wissen, was zu tun ist, strahlen sie das auch aus und ersetzen das Gefühl der Ohnmacht im Angesicht der Krise durch ein Gefühl der Sicherheit am Arbeitsplatz.
Führungskräfte spielen im Stressmanagement deshalb eine ganz zentrale Rolle. Doch sie sind auch besonders stressgefährdet. Denn sie stehen zwischen Mitarbeitenden und Geschäftsführung, müssen Orientierung geben, aber auch wissen, an was sie sich selbst orientieren können.
Ist diese Orientierung nicht vorhanden, verfallen Führungskräfte oft in aufopferndes Arbeiten: sie improvisieren, sind ständig erreichbar, übernehmen mehrere Aufgaben gleichzeitig und tun alles, um das Sicherheitsgefühl aufrecht zu erhalten.
Persönliche Einsatzbereitschaft ist insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen oft in großem Umfang vorhanden – aber nur für begrenzte Zeit. Wenn der Akku leer ist, kommen auch die aufopferungsvollsten Mitarbeitenden an ihr Limit.
Weniger zu verlangen, hilft in dieser Situation nicht. Eure Führungskräfte entlastet ihr nur dann effizient, wenn ihr die Arbeit klüger steuert: Mit klaren Prozessen, transparenter Kommunikation, frühzeitiger Einbindung und einfachen Entscheidungswegen.
Dann können eure Führungskräfte sich nämlich auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist: ihre Teams führen, Ziele und Rahmenbedingungen vorgeben, Entscheidungen treffen. Davon profitieren natürlich auch die Teams – und zwar wesentlich mehr als durch jede noch so gute Resilienzschulung.
Wenn klar ist, wer in einer möglichen Krise entscheidet, welche Informationen wohin fließen und wie sichergestellt ist, dass das Tagesgeschäft weiterläuft, auch wenn es mal brennt, entstehen organisationale Stressmuster gar nicht erst.
Verlässliche Rahmenbedingungen machen Unternehmen widerstandsfähiger, denn sie ermöglichen einen souveränen Umgang mit Krisen aller Art und beugen organisationalen Stressmustern vor.
Resilienztrainings und ein gutes betriebliches Gesundheitsmanagement sind ein effektives Mittel, Mitarbeitende auf ungewohnte Stresssituationen vorzubereiten. Noch besser ist, gleich die Widerstandsfähigkeit des gesamten Unternehmens zu stärken.
Der Deloitte Resilience Report 2021 identifiziert fünf zentrale Merkmale, die Unternehmen widerstandsfähiger gegen Krisen machen: Vorbereitung, Flexibilität, Teamarbeit, Vertrauen und Verantwortung. Die Studie analysiert außerdem, wie gut Unternehmen durch das erste Jahr der Corona-Pandemie navigierten und kommt zu dem Schluss: Die Unternehmen, die einen besonders hohen Grad an organisationaler Resilienz aufwiesen, gaben dreimal so häufig wie andere an, gut durch die Krise gekommen zu sein.
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