Morgens krankgemeldet, mittags ins Fitnessstudio? Kann man machen, schließlich darf man auch mit ärztlicher Krankschreibung jederzeit Bett und Haus verlassen. Und doch drängt sich ein Verdacht auf: Macht der Kollege, der heute morgen angeblich noch Halsschmerzen hatte, etwa blau?
Gut möglich! Das Blaumachen ist schließlich verbreiteter, als es Unternehmen lieb sein darf. Rund 59 Prozent der Beschäftigten haben sich schon mal arbeitsunfähig gemeldet, obwohl sie körperlich gesund waren.
Geht es dabei um Bequemlichkeit oder fehlende Arbeitsmoral? Die Antwort ist komplexer – und unbequemer. Wir erklären euch, wie es zu dem Phänomen kommt, warum es vor allem Aufgabe der Arbeitgeber ist, es zu verhindern, und warum ihr diese Aufgabe bislang vermutlich falsch angegangen seid.
Blaumachen ist selten ein rein individuelles Fehlverhalten. Neben akuter Erschöpfung nennen Mitarbeitende oft mangelnde Wertschätzung, Sinnlosigkeit der Aufgaben oder anhaltende Unzufriedenheit als Hauptgründe. Kurzum: Dinge, die auf lange Sicht zum Burnout führen können.
Es ist weniger ein „Ich will nicht“, als vielmehr ein stummer Hilfeschrei: „Ich kann gerade nicht mehr“. Eine der jüngsten Umfragen zum Thema zeigt: 39 Prozente der Deutschen finden Blaumachen okay, 34 Prozent lassen sich schneller krankschreiben als früher.
Außerdem fühlen sich 55 Prozent der Arbeitnehmenden erschöpfter als noch vor einigen Jahren. 43 Prozent haben das Gefühl, die eigene Arbeit werde nicht wertgeschätzt. Männer und Führungskräfte melden sich überdurchschnittlich häufig krank, ohne akut erkrankt zu sein.
Gleichzeitig gibt es einen hohen Anteil von Arbeitnehmenden, für die Blaumachen grundsätzlich keine Option ist – selbst dann nicht, wenn sie eigentlich dringend eine Pause bräuchten. 40 Prozent kommen lieber krank zur Arbeit als die Kündigung zu riskieren.
Was einzelne Menschen kurzfristig entlastet, hat allerdings langfristige Nebenwirkungen: Das Team muss einspringen, die Unzufriedenheit steigt bei allen, und wer die Arbeit schwänzt, riskiert auf lange Sicht einen Vertrauensverlust.
Blaumachen ist kein individuelles Problem – es wirkt ins System hinein. Doch auch das Gegenteil ist problematisch. Wer glaubt, er müsse beispielsweise mit positivem Corona-Test noch im Büro erscheinen, kann dank milder Symptome vielleicht gut arbeiten, riskiert aber Ansteckung, Leistungsabfall und längere Ausfallzeiten für alle. Außerdem hilft es auch keinem, wenn man zwar physisch anwesend ist, aber seinen Job fehlerhaft und halbherzig macht. Einen derart ausgeprägten Präsentismus zeigen einer Studie der Krankenkasse Pronova BKK zufolge immerhin rund 13 Prozent der Befragten.
Das Entgeltfortzahlungsgesetz regelt in Deutschland u. a. die Anzeige- und Nachweispflicht bei Arbeitsunfähigkeit. Laut dem Gesetz liegt eine Arbeitsunfähigkeit vor, wenn Beschäftigte ihre Tätigkeit krankheitsbedingt nicht ausüben können oder dabei die Verschlechterung ihres Gesundheitszustands riskieren würden. Eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist gesetzlich ab dem 4. Kalendertag erforderlich. Arbeitgeber dürfen jedoch bereits ab dem ersten Krankheitstag ein Attest verlangen.
Gesundheit ist nicht nur private Verantwortung, sie ist auch eine organisationale Aufgabe. Wer Fehlzeiten reduzieren will, darf nicht versuchen zu kontrollieren, ob das eigene Personal tatsächlich krank ist (was im Übrigen gar nicht erlaubt ist). Entscheidend ist, die Ursachen zu verstehen – und zu handeln.
Überarbeitete Mitarbeitende brauchen echte Entlastung: flexible Arbeitsmodelle, realistische Prioritäten, die Möglichkeit, Aufgaben abzugeben, ohne dafür abgestempelt zu werden. Rückzugsorte im Arbeitsalltag sind ebenso wichtig wie das Gefühl, gebraucht zu werden. Auch Unterforderung ist nicht erstrebenswert.
Teams, die Zusammenhalt erleben, entwickeln Verantwortungsgefühl füreinander. Verantwortung und Sinn der Arbeit senken das Risiko für innere Kündigungen – und damit auch die Versuchung, sich „rauszunehmen“.
Nicht zuletzt gilt: Gesundheit geht vor. Wer krank ist, sollte sich unkompliziert und ohne Rechtfertigungsdruck krankmelden können. Eine gesunde Arbeitskultur erkennt man nicht daran, wie selten sich Menschen krankmelden. Sondern daran, wie offen man über Belastung sprechen darf.
Wenn eure Organisation unter hohen Krankenständen leidet, ist das kein unvermeidbares Schicksal. Mit den richtigen Hebeln lässt sich hier schnell helfen. Dafür bieten wir euch Hilfe in Form einer exakten Analyse und einer strukturierten Reduktion der Fehlzeiten an. In einem unverbindlichen und kostenfreien Erstgespräch mit unseren Fehlzeiten-Experten erfahrt ihr mehr dazu.
Bei uns im NEU-Team muss niemand jemals blaumachen. Denn bei uns darf jede und jeder wenn nötig freinehmen. In Absprache mit dem Team und selbstverständlich bezahlt. Wie der Vertrauensurlaub funktioniert, übrigens nicht nur bei uns, erklären wir hier: Urlaub ohne Ende
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