Lassen Sie uns reden – über Ihr Gehalt. Dürfen Sie nicht? Das wundert uns nicht. Noch immer enthalten viele Arbeitsverträge Klauseln, die das untersagen. Und auch, wenn diese Klauseln in mindestens ebenso vielen Fällen unwirksam sind, befeuern sie doch ein typisch deutsches Tabu: Über Geld redet man nicht, übers Gehalt erst recht nicht.
Wir finden: Dieses Tabu ist in etwa so veraltet wie die Ansicht, man könne nur im Büro richtig arbeiten. Zeit also, es endlich zu brechen und Vergütung mit New Pay transparenter zu gestalten – angepasst an einen veränderten Arbeitsmarkt.
New Work erfordert nicht nur neue Arbeitsumgebungen, Flexibilität und flache Hierarchien. Es erfordert auch einen neuen Umgang mit dem Thema Vergütung. Nicht nur, aber eben auch nicht zuletzt, weil die Hierarchien wegfallen, an denen sich traditionelle Vergütungsmodelle noch immer orientieren.
Ausbildung, Arbeitserfahrung oder Mitarbeiterführung beziffern den Wert eines Mitarbeitenden für ein Unternehmen lange nicht mehr ausreichend. An ihre Stelle sind Werte getreten, die deutlich schwerer zu bemessen sind: etwa agiles Handeln, der Wille zum lebenslangen Lernen, Problemlösungskompetenzen, Teamfähigkeit, Flexibilität oder Kreativität.
Selbst da, wo Führung noch gewollt oder notwendig ist, beschränkt sie sich nicht mehr darauf, Entscheidungen zu treffen. Die moderne Führungskraft ist eher Moderator und Coach als Entscheider, und nur so gut und erfolgreich wie ihr Team.
Höchste Zeit also, auch die Gehälter an die neue Arbeitsrealität anzupassen und flexibler und fairer zu gestalten.
New Pay ist mehr als ein neues Modell zur Gehaltsverteilung, es ist Teil einer neuen Unternehmenskultur, die die Bedürfnisse der Arbeitnehmer in den Vordergrund stellt.
Zentrale Anliegen sind Transparenz, Mitbestimmung und Fairness, aber auch Partizipation, Selbstverantwortung und Verantwortung fürs Unternehmen spielen eine große Rolle.
Ob Wunschgehalt für jeden, gleiches Gehalt für alle oder eine transparente, für alle gültige Gehaltsformel: New Pay ist kein starres Konstrukt, sondern eines, das gemeinsam mit den Mitarbeitenden, auch im Sinne des Unternehmens ausgearbeitet wird.
Allen gleich ist: Beim New Pay geht es um mehr als Geld. Es geht um den Wunsch nach Mitbestimmung. Deshalb können neben dem Gehalt weitere Faktoren eine Rolle spielen: etwa zusätzliche Urlaubstage, variable Arbeitszeiten, rollenbasierte Boni oder selbstverantwortliche Zielvereinbarungssysteme.
New Pay kann bedeuten, dass Sie in Ihrem Unternehmen ein faires Grundgehalt anbieten, das zum Beispiel rollenbasiert erweitert wird. Es kann auch bedeuten, dass Sie einen dynamischen Gehaltsdeckel oder einen Gehaltsrat einführen. Oder sogar, dass das Gehalt zum Wunschkonzert wird – Wirtschaftlichkeit vorausgesetzt.
Es bedeutet aber auch, dass über das Thema Geld häufiger gesprochen werden wird. Und das ist gut so. Denn schon jetzt müssen Unternehmen laut EU-Lohntransparenzrichtlinie auf Anfrage offenlegen, wer wie viel verdient. Besser, Sie gehen es direkt an, um eine mögliche Neidkultur schon im Ansatz zu ersticken.
Einen besonderen Weg geht beim New Pay die als Genossenschaft operierende Berliner Agentur Wigwam: Dort bekommen seit 2016 alle Mitarbeitenden das, was sie sich mit Blick auf ihre persönliche Situation wünschen – zumindest fast.
2016 konnte Wigwam 80 Prozent des Wunschgehalts auszahlen, im Februar 2024 waren es 93 Prozent. Liegt die Gesamtsumme aller Wünsche über dem, was wirtschaftlich möglich ist, wird für alle anteilig nach unten korrigiert. Übrigens: Die tatsächlich ausgezahlten Gehälter stiegen in dem Zeitraum um ca. 10 Prozent pro Jahr. Es gibt ein Mindestgehalt (2.700 Euro brutto monatlich bei einer 38,5-Stunden-Woche), aber kein Limit nach oben.
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