TELEFON +49(0)211 966681-0

Die Methode Open Space: Planlos besser zum Ziel

2. November 2024

Haben Sie schon mal mit 999 anderen Menschen zusammen an der gleichen Problemstellung gearbeitet? Das ist weder unlösbar, noch so absurd, wie es sich vielleicht zunächst anhört.

Man nehme je eine große Portion Selbstorganisation, offene Kommunikation und kreativen Freiraum und eine Methode: Open Space – und dann klappt das richtig gut, und zwar egal, ob acht Menschen zusammenkommen oder 1000.

Bei Open-Space-Konferenzen wird nichts außer einem Leitthema vorgegeben. Die Teilnehmenden selbst bestimmen Programm und Inhalte. Innerhalb kurzer Zeit bearbeiten sie dabei komplexe Fragestellungen und kommen zu handlungsorientierten Ergebnissen.

Open Space macht Mitarbeiter zu kreativen Mitdenkern und fördert Partizipation und Innovation im Unternehmen.

So läuft eine Open-Space-Konferenz ab

Die Ergebnisse eines Open-Space-Events sind nicht beeinflussbar und können nicht vorhergesagt werden. Das macht Open Space für Führungskräfte zu einer besonders herausfordernden Methode. Sie dürfen nicht lenkend eingreifen und außer einem Leitthema keine Themen vorgeben.

Diese Themen erarbeiten die Konferenzteilnehmer selbst: Eine Open-Space-Konferenz beginnt deshalb immer mit der Sammlung von Inhalten. Alle Teilnehmenden bringen ihre Anliegen und Ideen zum Leitthema vor. Diese werden auf einem Marktplatz gebündelt und anschließend in die Verantwortung von kleineren Teams gegeben. Wer welches Thema mitdiskutieren möchte, wird ebenfalls freigestellt.

Am Ende sollen kreative Lösungsvorschläge, neue Ideen oder andere Ergebnisse stehen, die gut dokumentiert mit allen anderen geteilt werden.

Die vier Prinzipien von Open Space

Die Methode Open Space geht zurück auf den Organisationsberater Harrison Owen, der sie ab den späten 1970er-Jahren entwickelte. Er formulierte vier Prinzipien und ein Gesetz zum Ablauf einer Open-Space-Konferenz:

  1. Wer auch immer kommt, es sind die richtigen Personen
  2. Was auch immer geschieht, ist das Einzige, was hätte geschehen können.
  3. Wann immer es losgeht, ist der richtige Zeitpunkt
  4. Wenn es vorbei ist, ist es vorbei

Diese Prinzipien basieren auf vier wichtigen Erkenntnissen:

  1. Für gute Ergebnisse braucht es weder besonders viele Teilnehmer, noch muss die Teilnehmergruppe möglichst heterogen sein oder aus Vertretern möglichst vieler Interessengruppen bestehen. Wichtig ist nur, dass die Anwesenden sich für das Thema interessieren.
  2. Wer mitmacht, muss komplett präsent sein und lässt sich nicht durch andere Dinge ablenken. Der Fokus liegt im Hier und Jetzt auf den Fragen, die sich genau dort stellen.
  3. Gute Ideen lassen sich nicht in einen festgelegten Zeitrahmen pressen. Es gibt keinen richtigen oder falschen Zeitpunkt, Ideen einzubringen.
  4. Zeit für Kreativität hat höchste Priorität. Alles, was kurz und knapp abgehandelt werden kann, sollte deshalb nicht in die Länge gezogen werden.

Das Gesetz der zwei Füße

Teilnehmende dürfen die Mitarbeit an einer Fragestellung jederzeit für Selbstreflexion unterbrechen oder ihre Füße in die Hand nehmen und Ort und Session wechseln, sollten sie das Gefühl haben, in der aktuell gewählten Konstellation weder etwas lernen noch etwas beitragen zu können.

Wofür eignet sich Open Space?

Gegenüber herkömmlichen Konferenzen und Workshops bietet Open Space zahlreiche Vorteile: Die Methode ist flexibler, kann auch mit sehr großen Gruppen bestens durchgeführt werden, muss nicht aufwändig inhaltlich vorbereitet werden, ist teilnehmerzentriert und – anders als viele andere Formen von Meetings und Workshops – motivierend, fesselnd und kreativitätsanregend. Sie setzt aber auch viel Vertrauen in die Teilnehmer voraus.

Ein Open-Space-Event ist nicht zuletzt deshalb sicher nicht immer die geeignetste Form der Ideenfindung. Die Methode wird besonders gerne eingesetzt zur Erarbeitung von Strategien, in der Teamentwicklung, bei Problemanalyse und -lösung, oder zum gemeinsamen Lernen.

Und es gibt Situationen, in denen sich keine Methode besser eignet. Zum Beispiel, wenn Sie vor notwendigen Veränderungen im Unternehmen stehen: Wollen Sie, dass Ihre Mitarbeitenden diese Veränderungen zu 100 Prozent mittragen? Dann binden Sie sie so frühzeitig ein wie möglich! Und zwar nicht nur in den Entscheidungsprozess, indem sie ihnen möglichst zeitnah fertige Strategien präsentieren und über Lösungen abstimmen lassen.

Sind inhaltliche Entscheidungen zu den Veränderungen bereits getroffen, ist es zu spät. Holen Sie die Belegschaft stattdessen von Anfang an ins Boot, ist die Chance für breite Akzeptanz viel größer.

Open Space. Die Open-Space-Methode ermöglicht ergebnisoffene Konferenzen mit bis zu 1000 Personen. Sie wird in Unternehmen meist zur Organisationsentwicklung angewendet und fördert die Partizipation der Mitarbeitenden und die Innovationskraft des Unternehmens. Open Space setzt ein hohes Maß an Selbstorganisation voraus und wird seit rund 40 Jahren genutzt, um die Innovationsfreude von Unternehmen zu stärken.

Kategorien

Newsletter abonnieren

Unser kostenfreier Newsletter mit Tipps, Events und Artikeln rund um New Work, Ideenkultur und Innovation erscheint 1x pro Monat. Sie können Ihn jederzeit wieder mit einem Klick abbestellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Fehlzeiten krank HR New Work BGM Betriebliches Gesundheitsmanagement Workplace Design Ideenkultur Innovation Personal Moderne Arbeitswelt

Die Millionen-Falle: Warum Fehlzeiten teurer sind, als ihr denkt

24. Februar 2026

Michelle hat die Grippe. Christian ist zum zweiten Mal in diesem Jahr mehrere Wochen krankgeschrieben. Und Juana schleppt sich mal wieder mit Schnupfen, Husten und schlechtem Gewissen ins Büro, weil das Team sonst komplett untergeht. Kommt euch bekannt vor? Na dann, willkommen im Winteralltag... mehr lesen

co working space Home-Office Büro New Work moderne Arbeitswelt alternativer Arbeitsort Ideenkultur Personal Innovation HR Workplace Design

Wo arbeiten wir eigentlich am besten?

15. März 2025

Drei Pandemiejahre haben das Home-Office zur Norm gemacht, knapp zwei Jahre später fordern einige Arbeitgeber schon, es wieder komplett abzuschaffen. Und die Arbeitswelt? Verändert sich munter weiter. Da stellt sich die Frage: Wo arbeiten wir eigentlich am besten? Das traditionelle Büro hat an... mehr lesen

Krise Krisenmanagement Neue Arbeitswelt New Work Innovation Change Changemanagement Transformation Ideenkultur Veränderung HR Personal

Krise? Mehr Zuversicht, bitte!

15. Mai 2025

Zuversicht, die: Festes Vertrauen auf etwas zu erwartendes Gutes. Gefährdungsstatus: Stark gefährdet durch stets neue Krisen, verursacht durch Weltpolitik, Klimawandel, oder den rasanten technischen Fortschritt durch KI. Dass uns die Zuversicht in Krisenzeiten abhandenkommt, ist leicht zu... mehr lesen

Lüge Team Vertrauen Kooperation New Work moderne Arbeitswelt Ideenkultur Innovationskultur Workplace-Design Büro Change Transformation

Warum wir flunkern – und wie viel Ehrlichkeit Teams vertragen

15. Dezember 2025

Natürlich geht es mir gut! Klar, klingt spannend! Nein, stört mich überhaupt nicht, wenn du deinen Döner im Büro isst. Wenn wir solche Dinge sagen oder hören, sind es in vielen Fällen Lügen. Aus Höflichkeit, Selbstschutz oder aus Bequemlichkeit – kleine Unwahrheiten gehören zu unserem... mehr lesen