TELEFON +49(0)211 966681-0

So gelingt fachübergreifende Projektarbeit

16. August 2022

Haben Sie schon mal versucht, ein komplexes Problem mithilfe der Raketenmethode zu lösen? Dazu suchen Sie sich im ersten Schritt ein paar Kollegen und jeder analysiert das Problem alleine, ehe er oder sie es mit je einem Partner bespricht. Die Zweierteams diskutieren dann mit je einem weiteren Paar, ehe das Problem in großer Runde zum Thema wird.

Diese Methode produziert erstaunlich oft zündende Ideen. Doch die besten Ergebnisse liefert sie, wenn Sie sich Menschen mit vielen unterschiedlichen Kompetenzen ins Team geholt haben.

Solche interdisziplinär aufgestellten Teams sind aber nicht nur bei einzelnen Fragestellungen unschlagbar. Wie Unternehmen von fachübergreifender Projektarbeit profitieren und wie sie in der Praxis funktioniert (auch langfristig), erklären wir in diesem Artikel.

Warum interdisziplinär arbeiten?

Weil Problemstellungen heute komplexer sind als früher und Anforderungen sich immer schneller ändern, brauchen Unternehmen Wege, um schnell und dabei möglichst kreativ auf neue Herausforderungen zu reagieren.

Interdisziplinäres Arbeiten bietet da viele Vorteile. Denn immer, wenn Menschen mit sehr unterschiedlichen Arbeitsmethoden und Fachkenntnissen aufeinandertreffen, eröffnen sich auch viele verschiedene Perspektiven auf Probleme. Das wiederum hilft dabei, kreative Lösungsansätze für komplexe Fragestellungen zu entwickeln.

9 Tipps für die Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams

Doch wie bringt man eigentlich Menschen aus IT, Vertrieb, Marketing, Produktion und Co. zusammen und sorgt dafür, dass sie ihre Fähigkeiten bündeln?

Ganz so einfach ist das nicht, schließlich haben alle ihre eigenen Arbeitsweisen und unter Umständen wenig Kenntnis von denen in anderen Abteilungen. Eine Raketenwissenschaft ist die fachübergreifende Zusammenarbeit aber ebenso wenig. Wir zeigen, worauf Sie achten müssen und wieso schon die Zusammenstellung der Teams entscheidend ist.

So stellen Sie Ihr Team richtig auf

  • Wenn keine gemeinsame fachliche Basis vorhanden ist, ist Sympathie entscheidend. Interdisziplinäre Teams arbeiten dann am besten, wenn die einzelnen Teammitglieder sich auf persönlicher Ebene verstehen. Das muss (und sollte) aber nicht bedeuten, dass sie inhaltlich einer Meinung sind.
  • Egoisten sind fehl am Platz. Bei der fachübergreifenden Arbeit geht es nicht darum, die eigene Abteilung besser dastehen zu lassen oder gar eigene Interessen zu vertreten. Sondern darum, das große Ganze zu beleuchten. Die eigene Karriere steht nicht im Zentrum des Interesses.
  • Alle Teammitglieder müssen Lernbereitschaft signalisieren und sich mit den Methoden und Arbeitsprozessen anderer Abteilungen vertraut machen wollen.

So funktioniert die fachübergreifende Zusammenarbeit

  • Alle müssen bereit sein ihr gewohntes Rollenverhalten abzulegen. Damit einhergehend müssen alle Hierarchien ausgehebelt werden. Das geht im neuen Kontext ohnehin meist leichter. Setzen Sie bei der Zusammenarbeit dennoch eher auf Mindmapping als auf Brainstorming, bzw. auf Methoden, bei denen Ideen keiner Einzelperson zugeordnet werden können. Notfalls helfen Rollenspiele.
  • Moderatoren sind in interdisziplinären Teams äußerst hilfreich. Sie können Verhaltensweisen von außen analysieren und – falls problematisch – lösen. Schwelende Konflikte, Kommunikationsgewohnheiten oder Konkurrenzverhältnisse stehen der Teamarbeit dann nicht mehr im Weg. Als Moderatoren kommen externe Coaches in Frage, aber auch eigene Mitarbeiter, die nicht in engeren Verhältnissen zu den Teammitgliedern stehen.
  • Wie bei jeder Art der Teamarbeit müssen Rollen und Aufgaben klar verteilt sein. Feste Meetingformate ermöglichen den regelmäßigen Austausch. Idealerweise legen Sie sich außerdem auf einheitliche Arbeitsprozesse fest. Das sorgt für Effektivität und verhindert Frust.
  • Ein zu großes Harmoniebedürfnis steht der konstruktiven Zusammenarbeit im Weg. Denn wer Probleme aus Angst vor der Reaktion anderer nicht ausspricht, kann sie nicht lösen. Konflikte müssen offen ausgetragen werden, das wiederum steigert das Vertrauen.
  • Wechseln Sie hin und wieder Ihre Arbeitsumgebung. Der immer gleiche Konferenzraum kann der eigentlich konstruktiven Zusammenarbeit einen herben Dämpfer versetzen. Gerade bei der Gruppenarbeit ist die Umgebung entscheidend. Legen Sie mehrere mögliche Orte für Ad-Hoc-Treffen fest, wandern Sie zwischen den Abteilungen und sorgen Sie dafür, dass auch Teammitglieder, die nicht vor Ort sind, an den Treffen teilnehmen können.
  • Denken Sie auch bei Ihren interdisziplinären Teams ans Teambuilding. Insbesondere wenn Ihre fachübergreifenden Teams langfristig oder immer mal wieder zusammenarbeiten sollen, schaffen Sie damit eine gute Grundlage für ein vertrauensvolles Miteinander.

Das letzte Wort: Die Entscheidungsfindung in interdisziplinären Teams

Weil interdisziplinäre Teams hierarchiefrei arbeiten, ist die Entscheidungsfindung manchmal langwieriger als im Tagesgeschäft. Das liegt daran, dass Probleme umfassender analysiert werden. Die Lösungsansätze sind folglich vielfältiger.

Es kann daher auch passieren, dass Probleme nur mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner gelöst werden können: Agree to disagree – also der Einigkeit darüber, dass es gleichwertige Lösungen gibt. Ergebnis der Diskussion ist dann das Anerkennen der Komplexität eines Themas. Auch das ist valide.

Letztendlich müssen aber auch hinter der fachübergreifenden Arbeit Ergebnisse stehen. Unternehmen müssen sich deshalb genau überlegen: Sollen ihre interdisziplinären Teams als feste, firmeninterne Think Tanks fungieren und nur beratende Funktion haben, bzw. Entscheidungen vorbereiten? Oder sollen sie tatsächlich Verantwortung tragen?

Beides ist möglich. Doch wir denken: Die Mischung macht‘s. Genau wie im Team selbst.

Newsletter abonnieren

Unser kostenfreier Newsletter mit Tipps, Events und Artikeln rund um New Work, Ideenkultur und Innovation erscheint 1x pro Monat. Sie können Ihn jederzeit wieder mit einem Klick abbestellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Personalmangel Fachkräftemangel Vietnam Migranten Handwerk Deutschland Bäcker Ausbildung New Work moderne Arbeitswelt freie Stellen Recruiting Ideen

Mit internationaler Zusammenarbeit gegen den Azubimangel

2. Februar 2025

Die deutsche Brotkultur ist berühmt. Nicht nur das, sie zählt sogar zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO. Spätestens nach ein paar Wochen ohne wissen Sie, warum das so ist. Warum wir Ihnen das erzählen? Weil das Brot ein Problem hat: Es braucht Menschen, die diese Kultur aufrechterhalten... mehr lesen

Karriere Personal Führung New Work Personalmarketing moderne Arbeitswelt Ideenkulur Innovation Büro HR Personal Unternehmenskultur

Klettergerüst statt Karriereleiter

1. September 2025

Lange galt eine steile Karriere Arbeitnehmenden als das ultimative Ziel: Auf der Karriereleiter sollte es Schritt für Schritt nach oben gehen, schnell, ohne Umwege und wenn möglich bis an die Spitze. Dort warteten die ersehnten Insignien der Macht: Boni, Status und Geld. Jahrelang ohne... mehr lesen

introvertiert innovation kreativitaet hr ideenkultur new work moderne arbeitswelt teamwork workplace design

Warum niemand laut sein muss, um etwas zu bewegen

1. Oktober 2025

Ein Meetingraum, neun Kollegen aus verschiedenen Abteilungen sitzen sich im Halbkreis gegenüber. Heute geht es um einige Änderungen an einem wichtigen Pitch. Die Diskussion ist hitzig – und, ihr kennt das: Ihr habt Euch im Kreis gedreht, mehrere Abschweifungen genommen, seid euch gegenseitig... mehr lesen

Quereinsteiger Job Beruf HR Personal Recruiting New Work Innovation Innovationskultur Ideenkultur Moderne Arbeitswelt Arbeitsumgebung Workplace Design

Der Job fürs Leben hat ausgedient

1. November 2025

Immer mehr Talente steigen von der Karriereleiter ab – und auf neue Wege um. Nicht, weil sie gescheitert sind, sondern weil sie mehr wollen: mehr Sinn, mehr Wirkung, mehr Wissen und Erfahrung. Sie verlassen dabei auch vertraute Branchen, um noch einmal neu zu starten. Für Unternehmen ist das... mehr lesen